An der Moschee

In der letzten Augustwoche 2019 hielten die Nazis von der „Heidenauer Wellenlänge“ – Madeleine Feige und Konsorten – eine „Mahnwache“ an der Marwa-El-Sherbini-Moschee in der Marschnerstraße in Dresden ab.
Hintergrund war, dass die Gemeinde einen Neubau plant und die Nazis das unbedingt verhindern wollen, wegen Islamisierung und so. Am Freitag der betreffenden Woche drohte natürlich die Eskalation, deshalb ging ich hin. Es war ein turbulenter Nachmittag, über den ich bei Facebook berichtete:

„Nun also noch mein kurzer Bericht zum gestrigen Nachmittag an der Moschee in der Marschnerstraße. Ich hatte ja schon geschrieben, was ich von der bescheuerten „Mahnwache“ der Nazis aus Heidenau hielt und halte.
Als ich um kurz nach 13 Uhr ankam, waren die natürlich da, vielleicht 20 – 25 Leute unter einem Pavillon schräg gegenüber der Moschee.


Schon auf dem Weg dorthin traf ich gleich mehrere Muslime, die ich kannte, überhaupt war ich erstaunt, wie viele Leute ich kenne, die dort Freitags zum Beten hingehen.
Eigentlich wollte ich nur sehen, ob die das mit der Badebekleidung tatsächlich, wie angekündigt, durchgezogen haben (haben sie nicht, ich denke es wurde unterbunden), ansonsten wollte ich einfach Solidarität zeigen. Es wurde dann aber doch ein aufregender Nachmittag, und ich hatte eine Menge zu tun.
Als ich ankam, waren bereits viele Gläubige dort, das erste Gebet lief, teils auch draußen (da innen nicht viel Platz ist). Es waren auch erfreulich viele nicht-muslimische Menschen vor Ort, die Solidarität zeigten, etliche Nachbarn der Moschee etwa, die sehr ungehalten waren angesichts der „Mahnwache“. Die Polizei war mit mehreren Einheiten da. Ich ging ein wenig umher und begrüßte einige Leute, die ich kannte.
Dann wurde es erstmals etwas dramatisch, denn ein offensichtlich sehr wütender junger Mann erregte sich der Polizei gegenüber, was das denn sei da drüben. Es gelang mehreren von uns, beruhigend auf ihn einzuwirken, er ging dann in die Moschee. Und das sollte meine Rolle sein für den Rest des Nachmittags: beruhigen und deeskalieren.
Kurz darauf eskalierte es bereits, bei den Nazis. Ich hatte nicht gesehen, was passiert war, nur gab es plötzlich Geschrei und die Polizei zerrte zwei junge Männer mit Gewalt aus der Naziversammlung, die offenbar wütend dort hineingestürmt waren. Ich kannte beide, sogar sehr gut. Es handelte sich um zwei junge Männer aus Afghanistan, die ich schon seit vielen Jahren kenne, teils begleite und betreue, und was die beiden am allerwenigsten gebrauchen können, ist Stress mit der Polizei. Es gelang mir dann etwas später, zu den beiden, die sich in einer polizeilichen Maßnahme befanden, vorzudringen, und die Polizisten, die mich zuvor freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen hatten, merkten nun wohl auch, dass ich in der Lage war, die beiden zu beruhigen und in die Moschee zu führen, was ich dann auch tat. Zwischenzeitlich machte ich noch meinen neuen Job als Hilfs-Einsatzleiter der Polizei und gab den Beamten den Tipp, doch ein paar Kräfte rechts von der Naziversammlung zu postieren, von wo viele der Gläubigen kamen.
Nach einiger Zeit kamen die beiden jungen Männer dann wieder frei. Einer wurde lediglich als Zeuge registriert, der andere hat jetzt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung am Hals. Wenn der Staatsanwalt jedoch sieht, um welche „Sache“ es sich handelte, die er beschädigt hatte, dann, so hoffe ich, wird da nichts Kritisches draus. Denn nun wurde mir klar, worüber die Gläubigen so wütend waren. Es war nicht die Anwesenheit der Nazis, es war ein Plakat, welches sie gleich drei Mal aufgehängt hatten – dieses zeigte den Koran, im Dreck liegend, ein Fuß trampelt darauf herum. Dieses Bild empfanden die Muslime, völlig zu Recht, als krasse Beleidigung. Daher die Wut. Ich habe das Plakat fotografiert, poste das Foto aber bewusst nicht.
Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, ging ich zum Einsatzleiter der Polizei und versuchte herauszufinden, warum die Polizei dieses offensichtlich einen Straftatbestand (§166 StGB) erfüllende Plakat nicht abhängt. Er erläuterte mir dann ausführlich, dass er für diesen Fall eine Eskalation der Situation von Seiten der Nazis erwarte und dies auf jeden Fall verhindern wolle. Ich konnte und kann das nicht so recht nachvollziehen, allerdings sei gesagt, dass die Polizei insgesamt sehr besonnen, kommunikativ und deeskalierend agierte.
Zeitweise waren dann sehr viele Muslime vor Ort, und es bildete sich eine größere Gruppe von jungen Männern, die teils sehr wütend waren und bereit bzw. wild entschlossen, die Plakate einfach mit Gewalt zu entfernen. Ich verbrachte mehrere Stunden damit, sie zu besänftigen und ihnen klar zu machen, dass eine Eskalation genau das war, was die Nazis wollten. Etliche Kameras bei denen waren bereit. Die Polizei hatte auch die Personalien sämtlicher Anwesenden und bereits Strafanzeige erstattet.
Kurzum: es gelang mir und anderen, in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Imam, eine Eskalation zu verhindern. Die Polizei sagte zu, nach Abschluss des letzten Gebetes, die Plakate zu entfernen. Dies geschah dann auch, gegen 16:45 Uhr.
In den Stunden der drohenden Eskalation hatte ich sehr viele, sehr interessante Gespräche mit den Gläubigen. Aufschlussreich war, neben den vielen ehrlichen Bekenntnissen zum Respekt vor allen Religionen, der Friedfertigkeit und dem Unverständnis der dämlichen Nazi-Aktion gegenüber, vor Allem, dass sich alle überhaupt nicht für die Nazis interessierten (es störte sie nur die Beleidigung durch das Plakat), dass sie durchaus sehr kritisch dem politischen Islam gegenüber sind, auch die Finanzierung besagter Gemeinde wurde kritisch hinterfragt, und mehrfach wurde ich nach den Schweinen gefragt. Die Nazis hatten ein Schweine-Poster, das Wahlplakat der AfD mit dem Schwein und ein großes Sparschein dabei. Der Nazi-Schweine-Fetisch eben. Mehrere Gläubige fragten mich, was es denn damit auf sich hätte, und als ich ihnen erklärte, dass die Nazis denken, dass sie sich darüber ärgern würden und es sie stören würde, hielten sie sich die Bäuche vor Lachen. Einer sagte: „Wieso, das Schwein ist ein Tier wie jedes andere. Wir essen es nur einfach nicht.“
Mein Fazit: man muss und kann die Hintergründe der Moscheegemeinde hinterfragen, aber das tun offensichtlich selbst die Muslime auch, es waren sehr viele sehr freundliche Menschen dort, mit einer bemerkenswerten Nonchalance den Nazis gegenüber.
Was die Wellenlänge angeht: es wird bei Demonstrationen immer wieder von „grober Störung“ gesprochen – zuletzt, als wir vergangenen Montag ein Transparent neben dem Holocaust-Leugner-Stand am Altmarkt zeigten und gehen mussten. Aus meiner Sicht ist diese Nazi-Mahnwache eine grobe Störung, und ich kann nicht verstehen, warum so etwas so nah an der Moschee genehmigt wird.
Und wenn die Versammlungsleiterin, die bekannte Nazi-„Aktivistin“ Madeleine Feige gestern auf Facebook schreibt „Die Aggression war sichtbar und erlebbar von der Seite des so friedlichen Islams“, dann muss ich sagen: sorry, aber die einzige Aggression, die ich Gestern erlebt habe, ging von der „Versammlung“ der Heidenauer Wellenlänge aus.“

Übrigens habe ich, gleich am nächsten Tag, online Anzeige gegen Madeleine Feige und Edwin Wagesveld erstattet, wegen einer Straftat nach §166 StGB.
Dort steht:

Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

 

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