Big Broogle is watching youBig Broogle is watching you

BRernstaugengezGLE

Ich bin absolut kein Anhänger von Verschwörungstheorien (diese hier vielleicht ausgenommen) und kein ängstlichen Mensch. Ich leide nicht unter Verfolgungswahn, bin viel mehr der Zukunft als der Vergangenheit zugewandt und kein Pessimist, sondern Realist. Ich kenne mich ziemlich gut mit moderner Computertechnik und dem Internet aus.
Alle gute Gründe, NICHT in Panik zu verfallen und auch nicht den Teufel an die Wand zu malen, was die moderne digitale Welt angeht. ABER.BRernstaugengezGLE

I am absolutely not a fan of conspiracy theories (except maybe this one) and am not a timid man. I don’t have a persecution complex, am much more tuned to the future than the past, and not a pessimist, but a realist. I know a great deal about modern computer technology and the Internet.
All good reasons to NOT to live in panic and fear, and not to paint the modern digital world as the Devil. BUT.


In meinen Seminaren vor den „Digital Outsiders“ zum Thema Soziale Netzwerke habe ich es regelmäßig mit Menschen zu tun, die sich nicht wie selbstverständlich in der digitalen Welt bewegen und ihr gegenüber dementsprechend skeptisch sind. Gegen Ende meines Seminars komme ich dann auf die Chancen und Risiken zu sprechen. Dass die Risiken bei dieser Gegenüberstellung überwiegen, liegt vielleicht in der Natur der Sache. Aber den Laien die Funktionsweisen und Möglichkeiten modernen Technik zu erläutern und Ihnen (und mir selbst) gleichzeitig keine Angst davor zu machen, das ist ein hartes Stück Arbeit.

Halten wir uns doch nur mal einige der gegenwärtigen und in allernächster Zukunft zu erwartenden Techniken vor Augen, sozusagen den aktuellen Stand der Dinge: selbst ausgewiesene Experten sehen im Grunde keine Chance, sich im digitalen Raum unerkannt zu bewegen, jeder von uns wird, ohne es zu merken, von hunderten von Firmen im Netz verfolgt und beobachtet. Wir sind bereit, unsere persönlichen Daten für kostenlose Angebote im Netz herzugeben, wir alle bewegen uns (meist ohne es zu wissen oder gar zu merken) in einer „Filter Bubble“, einer Filterblase, in der uns nur noch das präsentiert wird, was uns (vermeintlich) interessiert. In Deutschland nutzen 96% (!!) aller Internetnutzer ausschließlich Google als Suchmaschine. Derselbe Konzern betreibt etliche Web-Dienste wie News, Maps, Notes, Google+, YouTube, Wallet etc. sowie ein Betriebssystem (Android) und einen Browser (Chrome) und verkauft demnächst auch Notebooks und Smartphones. Die wandelnde Überwachungskamera namens Google Glasses ist da nur ein konsequenter Schritt und wird wohl noch in diesem Jahr auf den Markst kommen.

Es gibt in diesem Szenario drei Probleme: einerseits sind all‘ diese Dienste und Techniken smart und machen das Leben leichter. Das ist cool. Andererseits werden sie nicht mit Geld, sondern mit (persönlichen) Daten bezahlt. Das könnte einem egal sein. Aber drittens haben alle immer noch den Satz „Ich habe nichts zu verbergen“ im Hinterkopf. Das schaltet die natürliche Bremse (früher  bekannt unter der Bezeichnung „Wahrung der Privatsphäre“) aus.
Nun ist die Filter Bubble nicht immer negativ zu sehen, denn sie dient ja dazu, mir aus der unfassbaren Menge an Informationen im Netz die für mich relevanten herauszufiltern. Das kann praktisch sein und ist es auch. In einigen Bereichen allerdings ist sie absolut kritisch zu sehen. Beispiel: Nachrichten. Was geschieht langfristig mit einer Gesellschaft, der nicht mehr alle, sondern nur noch die für die Masse relevanten, „angesagten“ Nachrichten präsentiert werden? Was geschieht mit einer Community, bei der ein Algorithmus (Beispiel Facebook) darüber entscheidet, mit wem ich interagiere und mit wem nicht, welche Kommentare und Informationen „relevant“ sind und welche nicht?
Und: noch nie in der Geschichte der Menschheit hatte ein einziger Konzern so viel Macht wie Google. Machen wir uns doch nichts vor: als im vergangenen November in den USA ein neuer Präsident gewählt wurde, hätte Google diese Wahl auch anders entscheiden können. Da in den Staaten 75% aller Internetnutzer Neuigkeiten im Netz ausschließlich durch den Dienst Google News erfahren – was wäre gewesen, hätte diese Firma sich entschlossen, einfach keine positiven Nachrichten über Barack Obama mehr zu bringen, oder gar keine?

Die Gefahr für die Privatsphäre (man könnte auch sagen persönliche Freiheit) liegt in der Möglichkeit, all‘ diese gesammelten Daten miteinander zu verknüpfen (was Google ja seit 2012 auch tut), als da wären: alle Daten aus sozialen Netzwerken, Informationen darüber, wo ich wann mit wem war, was ich wann wo zu welchem Preis gekauft habe, wen ich kenne, was mir gefällt und was nicht, meine politische Einstellung und so weiter und so fort.
Das dann kombiniert mit meinen Daten in irgend einer Cloud, dem RFID Chip in meinem Personalausweis, den Fotos und Videos von mir, die Behörden bei Demonstrationen und demnächst die Datenbrillen-Träger im Alltag anfertigen, mit der Gesichtserkennungstechnologie, dem relativ einfachen Zugriff auf all‘ diese Daten durch Behörden (in den USA sowieso, aber auch bei uns ohne richterlichen Beschluss) – da ist es schwer, hier nicht die perfekten Voraussetzungen für einen Überwachungsstaat zu sehen. Von den Minicomputern mit Peilsenderfunktion namens Smartphone will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.
Was sich George Orwell in seinen kühnsten Träumen niemals hätte vorstellen können, heute ist es bereits Realität. Oder, besser gesagt, könnte es sein bzw. jederzeit werden.

Ich habe übrigens tatsächlich nichts zu verbergen (ich schreibe ja in diesem Blog auch unter meinem richtigen Namen), aber seit den Anti-Nazi-Protesten in Dresden im Jahre 2011 weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schnell man ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten kann. Da hört der Spaß dann auf.

Nun könnte man einwenden: „Aber Google, das sind doch die Guten!“ und „Wir leben doch in einem Rechtsstaat, da gibt es keinen Missbrauch von Daten“.

Ja, Google gehört erklärtermaßen zu den Guten, aber was wäre, wenn die mal ihre Meinung änderten? Zur dunklen Seite der Macht wechselten? Dann hülfe uns kein Yoda – sollte dieser Konzert sich entschließen, die Weltherrschaft an sich zu reißen, das wäre wohl in wenigen Tagen erledigt. Mein Glaube an das Gute im Menschen geht ohnehin gegen Null.

Und Rechtsstaat? Theoretisch schon. Aber was ist mit z.B. NSU, Handygate, dem Bundestrojaner? Jedes System hat Schwachstellen, und vor Allem: verfügbare Technologie wird eingesetzt, egal, ob sie verboten ist oder nicht.

Niemand hat die Absicht, Bundestrojaner, Gesichtserkennungssoftware oder Polizeidrohnen einzusetzen.

In my seminars on Social Networks for “Digital Outsiders”, I get in contact with people who do not really make use of the digital world and are therefore sceptical about it. Towards the end of my seminars I always talk about the opportunities and risks. That the risks outweigh the opportunities in this conversation may lie in the nature of things. But to explain the functions and possibilities of modern technology and at the same time NOT to scare them (and myself) is a tough job.

Let’s just take a look at some of the current techniques (and those expected in the near future); the current state of things if you will. Even self-designated experts see that there is basically no chance to move undetected in the digital space, each of us is unconsciously followed and observed by hundreds of companies in the internet. We are willing to give our personal data for free offers on the web, we all live (usually without knowing it, or even taking notice) in a digital “filter bubble”, in which only what we are (supposedly) interested in is presented to us. In Germany 96% (!) of all Internet users use Google as their only search engine. The same company operates a number of web services like News, Maps, Notes, Google+, YouTube, Wallet etc., an operating system (Android) and a browser (Chrome), and will soon be selling notebooks and smartphones. The “mobile security camera” called Google Glasses is only a logical step and will likely come later this year.

There are three problems in this scenario: on the one hand all these services are smart and make life easier and that’s cool. On the other hand they are not paid for with money, but with (personal) data. This could be of no importance but: thirdly, everyone still has the phrase “I have nothing to hide” in mind. This turns off the natural brake formerly known as “privacy”.
The filter bubble is not always negative, because it filters the information that is relevant for me out of the incredible amount of information in the net. This can be useful and it is. In some areas, however, it has to be perceived as absolutely critical. For example: News. What happens in the long term with a society, where not all news, but only those who are relevant for the mass and “trendy” are presented and available? What happens to a community in which an algorithm (e.g. on Facebook) decides with whom I interact and with whom I do not, which comments and information are “relevant” and which are not?
Never in the history of mankind, has a single company had as much power as Google does now. Let us have no illusions: when last November a new president was elected in the U.S., Google could have changed the result of this election completely as in the United States, 75% of all Internet users get news on the net exclusively through Google News – what would have happened, if the company had decided simply not to present any positive news about Barack Obama anymore, or no news about him at all?

The threat to privacy (some would say “personal freedom”) is in the possibility of combining all this data collected together (what Google has in fact been doing since 2012): all data from social networks, information about where I was, when and with whom, what I bought when and where and at what price, whom I know, what I like and what I do not like, my political attitude and so forth.
This, combined with my data in any cloud, the RFID chip in my identity card, the photos and videos of me that authorities take at demonstrations (and soon the Google-Glasses-Wearers in everyday life), with the face detection technology, the relatively easy access to all these data by the authorities (in the U.S. anyway, but also in Germany without a court order) – it’s hard not to see the perfect conditions for a surveillance society in this scenario.
And haven’t even mentioned at this point about those mini computers with tracking device functionality that we all carry around (known by the most as “smart phones”).

What George Orwell would never have imagined, even in his wildest dreams, has become a reality. Or, rather, it could become real at any time.

By the way, I actually have nothing to hide (I write in this blog under my real name), but since the anti-Nazi protest in Dresden in 2011, I know from personal experience how easy it is to come to the attention of the security agencies. That’s where the fun stops.

Now one could argue: „But Google, they’re the good guys!“ and „We live in a constitutional state, as there is no misuse of data“.

Yes, the Google people are is avowedly the good guys, but what if they changed their minds? Defect to the dark side of power? No Yoda to help us – if they decided to seize world domination, that could be done in a few days. My faith in the goodness of man isn’t particularly strong.

And power of the of the law to protect us? Theoretically it can. But what about for example NSU (the Neo-Nazi terrorist group in Germany), the misuse and illegal storage of mobile phone data of nearly half a million of people in the scope of the Anti-Nazi-protest in Dresden 2011, the Federal Trojan Virus in Germany? Every system has its weaknesses, and above all: available technology will always be used by the authorities, no matter if it is banned or not.

No one has the intention to use Federal Trojan Viruses, facial recognition software or police drones…

Written and translated by Claus Dethleff (GER)
Language check and corrections by Johannes Dethleff (UK)

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