PEGIDA non grata

Eigentlich bin ich bekannt für meine Gelassenheit, dafür, dass ich stets versuche, Menschen mit Respekt, Verständnis und Toleranz zu begegnen. Ich habe sehr lange mit mir gerungen, ob ich etwas zum Thema PEGIDA schreiben soll. Habe darüber nachgedacht, ob man mit diesen verwirrten Menschen reden kann und muss. Ob man sie tatsächlich irgendwie ernst nehmen sollte. Bis gestern Abend. Da zog das, was als PEGIDA jeden Montag in Dresden auf der Straße ist, direkt an mir vorbei, und das machte mich fassungslos und wütend. Noch nicht einmal die Tatsache, dass ich am Rande von einem Teilnehmer tätlich angegriffen wurde, weil ich ihn einen Rassisten nannte*, trug dazu bei… der war einfach verwirrt und vielleicht, das bleibt zu hoffen, war das auch eine Art Ausbruch von Wut auf sich selbst und/oder Angst vor irgendwas und Zweifel, oder er fühlte sich auch einfach nur beleidigt von mir… wie gesagt, egal, das spielt keine Rolle, schon vergessen. PEGIDA non grataweiterlesen

Rechtsstaat – oder nicht?

Über die Ereignisse rund um den 19. Februar 2011 habe ich ja in diesem Blog schon mehrfach berichtet. Was ich an jenem Tag erlebt habe und vor Allem, was im Nachgang so alles geschah, hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Weil irgendwie auch mein Weltbild ins Wanken geriet, beschloss ich Ende 2011, meine Gedanken dazu aufzuschreiben, zu erzählen, was geschehen ist und auch alles, was in diesem Zusammenhang danach geschah, zu dokumentieren.
Nun werde ich beginnen, diese Aufzeichnungen, die noch nicht abgeschlossen sind, nach und nach auf diesem Blog zu veröffentlichen.

Heute gibt’s den ersten Teil. Ich werde nach und nach alle weiteren Teile veröffentlichen. Im Blogteil gibt es dann immer eine kurze Beschreibung, bis der nächste Teil veröffentlicht wird. Die Texte selbst befinden sich auf der Seite „RECHTSSTAAT“, auf der dann nach und nach der gesamte Text zu lesen sein wird. Diese Seite ist natürlich auch über das Menü oben zu erreichen.
So, und nun viel Spaß bei Lesen des 1. Teils!

Mordende Minderheit

In der schönen Stadt Dresden, in der ich seit mehr als zwanzig Jahren lebe, betrachtet man Nazis nicht als das, was sie sind (zur Erinnerung: eine Horde von brutalen, menschenverachtenden Demokratiefeinden, die Leute zusammenschlägt und auch gern mal ermordet), sondern als schützenswerte Minderheit. Das habe ich nun schon mehrfach gehört.
Zum Beispiel von einem Richter am Amtsgericht in seiner Urteilsbegründung. Zuletzt habe ich das sogar schriftlich bekommen, von der Versammlungsbehörde Dresden.
Aber zunächst einmal ein paar Erläuterungen zur Vorgeschichte: Mordende Minderheitweiterlesen

Stolpersteine – die Verlegung

Zwei Tage ist es jetzt her, da hat Gunter Demnig in Laubegast die fünf Stolpersteine verlegt, für die ich die Recherchen gemacht hatte. Ich habe in meinem Blog schon hier und hier darüber berichtet. Auf den Tag hatte ich mich schon lange mental vorbereitet, er hat mich dann aber doch noch mehr mitgenommen als ich erwartet hatte. Jetzt möchte ich dieses Kapitel mit ein paar Fotos der Verlegung und einem kurzen Bericht abschließen. Stolpersteine – die Verlegungweiterlesen

Sexismus made by CalzedoniaSexism, made by Calzedonia

Die betreffende WerbungOktober 2013 in Dresden. Die ganze Stadt ist zugepflastert mit einer Werbung der Firma Calzedonia. Werbung auch für die Altmarkt Galerie. Es ist nicht klar, wofür hier geworben wird, denn es steht nichts auf den Plakaten, nur „Calzedonia“ und „Altmarkt Galerie“. Vielleicht wird hier für Lolitas geworben, oder für Essstörungen? Drei Motive, alle fragwürdig, eines jedoch absolut sexistisch. An praktisch jeder Bus- und Bahnhaltestelle, jeder Litfaßsäule. Kotz.

Ich erfuhr später, dass es in Berlin ganz ähnlich aussah, vermutlich also in ganz Deutschland. Eine Weile ertrug ich diese Zumutung zähneknirschend, dann beschloss ich, etwas zu unternehmen. Ich schrieb an die Altmarkt-Galerie und an den Deutschen Werberat, fast gleichlautend:

The Calzedonia ad
The Calzedonia ad

October 2013 in Dresden. The whole city is plastered with advertising for a company by the name of Calzedonia. Adverts for the shopping mall “Altmarktgalerie”, too. It is not quite clear what is advertised because there isn’t any text on the posters, only „Calzedonia“ and „Altmarktgalerie“. Maybe it’s an ad for Lolitas, or perhaps for eating disorders? Three motifs, all of them questionable, but one absolutely sexist. Virtually every bus and tram stop, every advertising pillar show these ads. Puke.

I learned later that it looked very similar in Berlin, presumably throughout Germany. For a while I was able to resist my reflex, but then I decided to do something. Sexismus made by CalzedoniaSexism, made by Calzedoniaweiterlesen

Stolpersteine (Update)

stolperstein_lgBereits im März hatte ich hier einen Artikel über meine Recherchen zum Thema Stolpersteine in Laubegast veröffentlicht. Nun gibt es einige Neuigkeiten, die ich den geneigten Lesenden nicht vorenthalten möchte.
Der Stand im März war, dass ich einige Briefe an verschiedene Verwandte bzw. Nachkommen der von mir recherchierten Opfer des Nationalsozialismus geschrieben hatte.

Stolpersteine (Update)weiterlesen

FortschrittProgress

fortschritt1Kürzlich hörte ich von einer Amerikanerin, die im Medienbereich tätig ist, den Satz „bei der Internet-Nutzung ist Deutschland 7 bis 10 Jahre zurück“. Verglichen mit den USA, versteht sich. Meine erste Reaktion war leichter Ärger. Diese Aussage klang für mich einfach etwas arrogant, schließlich bewege ich mich ständig in der digitalen Welt und arbeite mit dem und im Netz.
Bei näherer Betrachtung hingegen ist dieser Satz jedoch eigentlich sehr aussagekräftig und bietet einiges an Gedankenfutter.
Beinahe hätte ich der Netzaktiven aus den Staaten im Affekt geantwortet: „Mag sein, dass wir da 10 Jahre zurück sind, aber dafür sind wir den USA, was Pazifismus angeht, 68 Jahre voraus“.

fortschritt1Recently, a woman from the U.S., who works in the media business, said, during a presentation: „Regarding the use of the Internet, Germany is 7 to 10 years behind.“ Compared to the U.S., of course. My first reaction was slight anger. This statement sounded a little arrogant. After all, I am moving around in the digital world constantly and working with and on the net.
When I took a closer look on this, however, I found this phrase quite interesting and it provided some food for thought.
FortschrittProgressweiterlesen

Graffiti an der Waldschlößchenbrücke

Eine der wirklich schönen Seiten unserer Demokratie ist, dass jeder Bürger das Recht hat, Petitionen einzureichen, die dann auch von den entsprechenden Stellen bearbeitet werden müssen.

Die schicke neue Brücke
Die schicke neue Brücke

Nun gibt es ja in Dresden diese neue Brücke, die unsere schöne Stadt den Unesco Weltkulturerbe-Titel gekostet hat. Die Fertigstellung und Eröffnung war schon für 2012 geplant, aber wie es bei öffentlichen Bauvorhaben so ist – jetzt wird es (bei exorbitant gestiegenen Kosten ) der kommende Montag sein, der 26. August 2013. Das Problem, neben der Sache mit dem Elbtal, ist die Optik dieser Brücke. Viel Stahl, Eisenbahnromantik, und an den Enden jede Menge Sichtbeton. Als ich im Sommer 2011 in Paris war, kam mir eine Idee zur Gestaltung, und ich verfasste folgende Petition: Graffiti an der Waldschlößchenbrückeweiterlesen

Freispruch

nazi01Ein kurzer Bericht von einem Dresdner „Blockiererprozess“*

Gestern war ich wieder mal im Amtsgericht Dresden, als Zeuge. Zum mittlerweile fünften (!) Mal machte ich dort eine Aussage in derselben Sache, nur mit wechselnden Angeklagten, als (einziger) Zeuge der Verteidigung.
Zunächst, für alle Nicht-Dresdner und alle, die es bisher nicht mitbekommen haben, ganz kurz die Vorgeschichte: jedes Jahr um den 13. Februar herum planen Nazis einen sogenannten „Trauermarsch“ durch Dresden, denn die Stadt wurde am 13. Februar 1945 durch Bomben weitgehend zerstört. Etliche Jahre wuchs diese alljährliche Aufmarsch der Rechten immer weiter an, da die Bürger beschlossen hatten, ihn durch Ignorieren immer kleiner werden zu lassen. Ab 2009 gab es endlich verstärkte Gegenproteste. Im Jahre 2010, mittlerweile wurde mit mehr als 6000 Teilnehmern der größte Neonazi-Aufmarsch Europas erwartet, beschlossen die Stadtverwaltung und die Polizei, die Elbe als natürliche Trennlinie zwischen Rechten und Gegendemonstranten zu nutzen und entwickelten ihr sogenanntes „Trennungskonzept“. Dass den Nazis dabei als Sammlungspunkt ausgerechnet der Bahnhof Neustadt zugewiesen wurde, der Bahnhof also, von dem die Nazis die Dresdner Juden nach Auschwitz deportiert hatten, bleibt bis heute vollkommen unverständlich. Freispruchweiterlesen

Im Sog der Stolpersteine

Eine Recherche kann wie ein Sog sein. Sie kann einen einsaugen in eine Welt, die kein Ende zu haben scheint und die einen nicht mehr loslassen will. Das habe ich in den letzten Wochen am eigenen Leib erfahren.

Stolperstein in Berlin. Foto: Thomas Quine
Stolperstein in Berlin.
Foto: Thomas Quine

Eigentlich fing das alles schon vor Monaten an. Schon länger bin ich aktiv in der Bürgerinitiative „Laubegast ist bunt!„, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dafür zu sorgen, dass Laubegast ein offener, bunter und toleranter Stadtteil wird bzw. bleibt.
Anlass für die Gründung dieses Netzwerkes, in dem Bürger, Ortsbeiräte und auch die Polizei zusammenarbeiten, war das Wahlergebnis der letzten Stadtratswahl. Bei dieser brachte es die NPD im Wahlbezirk Laubegast/Leuben auf teilweise bis zu 7% (Laubegast) und sogar 8,5% (Leuben) der Stimmen. Hauptaugenmerk der Initiative ist also rechtsextremistisches Gedankengut und was man dagegen tun kann.
Ende Oktober 2012 hatte dann jemand die Idee, auch hier bei uns in Laubegast sogenannte „Stolpersteine“ zu verlegen. Damit begann es für mich.

Im Sog der Stolpersteineweiterlesen