Graffiti an der Waldschlößchenbrücke

Eine der wirklich schönen Seiten unserer Demokratie ist, dass jeder Bürger das Recht hat, Petitionen einzureichen, die dann auch von den entsprechenden Stellen bearbeitet werden müssen.

Die schicke neue Brücke
Die schicke neue Brücke

Nun gibt es ja in Dresden diese neue Brücke, die unsere schöne Stadt den Unesco Weltkulturerbe-Titel gekostet hat. Die Fertigstellung und Eröffnung war schon für 2012 geplant, aber wie es bei öffentlichen Bauvorhaben so ist – jetzt wird es (bei exorbitant gestiegenen Kosten ) der kommende Montag sein, der 26. August 2013. Das Problem, neben der Sache mit dem Elbtal, ist die Optik dieser Brücke. Viel Stahl, Eisenbahnromantik, und an den Enden jede Menge Sichtbeton. Als ich im Sommer 2011 in Paris war, kam mir eine Idee zur Gestaltung, und ich verfasste folgende Petition: Graffiti an der Waldschlößchenbrückeweiterlesen

Spaß und Politik – passt das zusammen?

entleerungWenn man sich Phippsie Rößlers oder Horst Seehofers stets missglückte Humorversuche oder den Bundestagswahlkampf anschaut, könnte man meinen, die Antwort sei eindeutig: Nein. Wirft man man hingegen einen Blick auf die Wahl zum Osnabrücker Oberbürgermeister, dann ergibt sich ein ganz anderes Bild.  Spaß und Politik – passt das zusammen?weiterlesen

Freispruch

nazi01Ein kurzer Bericht von einem Dresdner „Blockiererprozess“*

Gestern war ich wieder mal im Amtsgericht Dresden, als Zeuge. Zum mittlerweile fünften (!) Mal machte ich dort eine Aussage in derselben Sache, nur mit wechselnden Angeklagten, als (einziger) Zeuge der Verteidigung.
Zunächst, für alle Nicht-Dresdner und alle, die es bisher nicht mitbekommen haben, ganz kurz die Vorgeschichte: jedes Jahr um den 13. Februar herum planen Nazis einen sogenannten „Trauermarsch“ durch Dresden, denn die Stadt wurde am 13. Februar 1945 durch Bomben weitgehend zerstört. Etliche Jahre wuchs diese alljährliche Aufmarsch der Rechten immer weiter an, da die Bürger beschlossen hatten, ihn durch Ignorieren immer kleiner werden zu lassen. Ab 2009 gab es endlich verstärkte Gegenproteste. Im Jahre 2010, mittlerweile wurde mit mehr als 6000 Teilnehmern der größte Neonazi-Aufmarsch Europas erwartet, beschlossen die Stadtverwaltung und die Polizei, die Elbe als natürliche Trennlinie zwischen Rechten und Gegendemonstranten zu nutzen und entwickelten ihr sogenanntes „Trennungskonzept“. Dass den Nazis dabei als Sammlungspunkt ausgerechnet der Bahnhof Neustadt zugewiesen wurde, der Bahnhof also, von dem die Nazis die Dresdner Juden nach Auschwitz deportiert hatten, bleibt bis heute vollkommen unverständlich. Freispruchweiterlesen

Big Broogle is watching youBig Broogle is watching you

BRernstaugengezGLE

Ich bin absolut kein Anhänger von Verschwörungstheorien (diese hier vielleicht ausgenommen) und kein ängstlichen Mensch. Ich leide nicht unter Verfolgungswahn, bin viel mehr der Zukunft als der Vergangenheit zugewandt und kein Pessimist, sondern Realist. Ich kenne mich ziemlich gut mit moderner Computertechnik und dem Internet aus.
Alle gute Gründe, NICHT in Panik zu verfallen und auch nicht den Teufel an die Wand zu malen, was die moderne digitale Welt angeht. ABER.BRernstaugengezGLE

I am absolutely not a fan of conspiracy theories (except maybe this one) and am not a timid man. I don’t have a persecution complex, am much more tuned to the future than the past, and not a pessimist, but a realist. I know a great deal about modern computer technology and the Internet.
All good reasons to NOT to live in panic and fear, and not to paint the modern digital world as the Devil. BUT.

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Im Sog der Stolpersteine

Eine Recherche kann wie ein Sog sein. Sie kann einen einsaugen in eine Welt, die kein Ende zu haben scheint und die einen nicht mehr loslassen will. Das habe ich in den letzten Wochen am eigenen Leib erfahren.

Stolperstein in Berlin. Foto: Thomas Quine
Stolperstein in Berlin.
Foto: Thomas Quine

Eigentlich fing das alles schon vor Monaten an. Schon länger bin ich aktiv in der Bürgerinitiative „Laubegast ist bunt!„, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dafür zu sorgen, dass Laubegast ein offener, bunter und toleranter Stadtteil wird bzw. bleibt.
Anlass für die Gründung dieses Netzwerkes, in dem Bürger, Ortsbeiräte und auch die Polizei zusammenarbeiten, war das Wahlergebnis der letzten Stadtratswahl. Bei dieser brachte es die NPD im Wahlbezirk Laubegast/Leuben auf teilweise bis zu 7% (Laubegast) und sogar 8,5% (Leuben) der Stimmen. Hauptaugenmerk der Initiative ist also rechtsextremistisches Gedankengut und was man dagegen tun kann.
Ende Oktober 2012 hatte dann jemand die Idee, auch hier bei uns in Laubegast sogenannte „Stolpersteine“ zu verlegen. Damit begann es für mich.

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Gangster-Rapper

Vorgestern war ich im Militärhistorischen Museum Dresden. Allein schon das wäre einen Artikel wert, aber ich war gar nicht in der Ausstellung des Museums (die hab‘ ich mir auch schon angesehen), sondern in einer Veranstaltung, die grausig und auch ein bißchen lustig war. Titel der Veranstaltung: „RESET – Aussteiger aus der rechten Szene berichten“. Klang interessant.
mhmddDas Auditorium des Museums war brechend voll, auf dem Podium saß eine seltsame Mischung von Menschen: der wissenschaftliche Leiter des Museums als Diskussionsleiter, der Chef der „SOKO Rex“ (ein Kriminalhauptkommissar aus Bautzen), ein etwas älterer und behäbiger Sozialarbeiter, der ein Aussteigerprogramm betreibt, dazu zwei (ehemalige) Nazis. Der eine war der Typ „ich bin total doof und merke es noch nicht mal“, der andere eher „ich bin intelligent und gebildet und zeige das auch“.
Gleich vorab: ich finde es aller Ehren wert, dass diese beiden Jungs den Absprung geschafft haben, und die Arbeit des Sozialarbeiters ist natürlich total wichtig. Aber die Veranstaltung selbst!?! Gangster-Rapperweiterlesen

Nationalfeiertag

So fängt es immer an...
So fängt es immer an…

Im Sommer 2011 war mal eine Reise nach Paris fällig, mit der ganzen Familie. Bei uns ist das nicht immer einfach zu planen, denn für Selbstständige bedeutet Urlaub machen nicht nur die nötige Zeit finden, nein, es bedeutet auch etliche Tage kein Geld verdienen und dann auch noch den Urlaub bezahlen. Daher hängt das bei uns (wir sind beide selbstständig) immer von vielen Faktoren ab, und der Zeitraum ergibt sich eher zufällig. So auch in diesem Fall. Wer käme auch sonst auf die Idee, ausgerechnet um den französischen Nationalfeiertag (14. Juli) herum nach Paris zu fahren? Aber gerade das sollte sich als besonderes, für uns auch irgendwie befremdliches Ereignis herausstellen.
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Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“

In den Abendstunden des 2. März 1943, also heute vor genau 70 Jahren, wurde das knapp außerhalb der Stadtgrenze Dresdens gelegene „Judenlager“ Hellerberg aufgelöst. Erst wenige Monate zuvor, im November 1942, waren die letzten Judenhäuser in Dresden aufgelöst und deren Bewohnen hierher gezwungen worden. Da das Lager außerhalb der Stadtgrenze lag, galt damit das erklärte Ziel, Dresden „judenrein“ zu machen, als erfüllt.
Sämtliche 293 Insassen dieses Lagers, das auf dem der Firma Zeiss Ikon gehörenden Gelände von der Gestapo eingerichtet worden war, wurden als Zwangsarbeiter im nahe gelegenen Rüstungsbetrieb der Zeiss Ikon AG, dem Goehle-Werk, beschäftigt. Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“weiterlesen

Ein weiterer Jahrestag der „Opferstadt“

Heute vor genau 75 Jahren, am 1. März 1938, zog ein vierstündiger Faschingsumzug durch die Dresdner Straßen. Das Motto: „Auszug der Kinder Israels“. Massen von Menschen bejubelten den Umzug.
Nach den Gewalttaten am 9. November desselben Jahres mussten alle Juden in sogenannte „Judenhäuser“ ziehen. Von den 4397 Bürgern jüdischen Glaubens oder „jüdischer Abstammung“, die 1933 in Dresden registriert waren, überlebten nur wenige die Vernichtungslager. Noch 1945 waren 382 Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Dresden untergebracht, wo sie für die Firma Zeiss Ikon Zwangsarbeit leisten mussten. Die Rolle speziell dieser Firma im Dritten Reich bedarf dringend einer Aufarbeitung, die bisher in keiner Weise erfolgte.

http://youtu.be/xLFaXQdzmV4