Das Rudel

rudelWer sagt, dass alles Elend auf der Welt seine Ursache in Dummheit, Skrupellosigkeit, Machtgeilheit und Religion in beliebigen Zusammenstellungen hat und hatte, der liegt damit ziemlich richtig. Man kann es aber vielleicht auch auf einen noch einfacheren Nenner bringen: das Rudel hat Schuld.
Ich bin kein Soziologe oder Anthropologe oder sonstiger -loge, aber wenn ich mich so umschaue in der Welt, dann scheint mir ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit das menschliche Handeln entscheidend zu beeinflussen. Ist er, der Mensch, doch ein instinktgesteuertes Wesen, wie alle Säugetiere. Und deshalb oft auch seinem Instinkt ausgeliefert.

Um sich vor Unbill aller Art zu schützen, sei es das Wetter, der Säbelzahntiger oder vermeintliche genetische Probleme, hat sich der Mensch schon in grauer Vorzeit zu Rudeln zusammengeschlossen. Zum Schutz vor Gefahr jeglicher Art und zur Abgrenzung gegen die Außenwelt. Innerhalb dieses Rudels spielte dann jeder seine Rolle – das Alphatier, der Opportunist, das Muttertier undsoweiter. Wer welche Rolle übernahm, hatte natürlich nichts mit freier Entscheidung zu tun, da war vieles genetisch bedingt und im Sinne der Evolution so angelegt, dass es zur Arterhaltung beitrug und funktionierte. Schon damals setzten sich stets die Starken durch. Gewinner gibt es nur da, wo andere verlieren. Diese Rudel-Zusammensetzungen kann man ja bis heute beispielsweise in Affenherden gut beobachten. Die einen dann auch, nicht ganz zufällig, in Vielem an menschliche Rudel-Erscheinungsformen erinnern.

Diese Rudelbildung bzw. der Drang danach hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Manchmal, vor Allem Montags in Dresden, kommt es mir so vor, als wäre dieser Drang noch viel stärker ausgeprägt als gedacht.
Das kleinste Rudel war und ist die Familie. Obwohl – neuerdings gibt es ein noch viel kleineres Rudel: das ICH. Da kann man/frau dann ungehemmt das Alphatier spielen und tut es auch, vor allem auf Facebook.
Im Gegensatz zu damals gibt es heute allerdings eine Vielzahl von Rudeln, und der Mensch kann sich beliebig vielen davon zugehörig fühlen. Solange diese Rudel nicht verfeindet sind, versteht sich. Und solange das Rudel nicht zu groß und bunt wird. Denn das ist ja das Wesen des Rudels: Ausgrenzung aller, die nicht dazugehören, bis hin zur offenen Feindschaft.
Bei den allermeisten Menschen findet das gesamte Leben in unterschiedlichen und auch unterschiedlich großen Rudeln statt: dem Familienrudel natürlich, dem Kollegenrudel, Vereinsrudel, Parteienrudel – bis hin zu dem ganz großen Rudel: der Nation. Europa oder eine bunte Gesellschaft scheinen als Rudel ungeeignet zu sein, dann wird das mit der Ausgrenzung irgendwie wohl zu kompliziert. Und wenn man noch einen Schritt weiter denkt und sich ein Rudel “Mensch” vorstellt, dann wird es natürlich absurd, denn wen soll man dann noch ausgrenzen?

Aber zurück zum Rudel namens Nation. Denn da haben wir das Problem: es gibt ungefährliche und gefährliche Rudel. Solche, die harmlos sind, Spaß machen können und Fairness auch gegenüber den Mitgliedern anderer Rudel praktizieren. Unbedenklich kann hier vieles sein, vom Vereinsrudel über Parteienrudel bis hin zum Fankreis-Rudel einer Sportmannschaft. Aber es gibt eben auch extrem aggressive Rudel.

Kritisch – und da schließt sich der Kreis zum ersten Satz dieses Artikels – wird es immer dann, wenn das Rudel etwas mit Nation, Volk, “Rasse”, Kulturkreis, Macht, Geld und/oder Religion zu tun hat. Das Brokerrudel beispielsweise, oder das Rudel der Deutschen, das Politiker-, Lobbyisten- , Superreichen- oder Arier-Rudel, das Islamisten-, Scientology-, Kreationisten-Rudel, das Rechtspopulisten-Rudel oder das PEGIDA-, Reichsbürger-, Rassisten-, Vollidioten- oder WasweißichauswasfürGründenMenschenfeindNarzisstIrrer-Rudel – da liegt die Ursache für fast alles Elend auf der Welt.

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