Der Fürst…

… wird entlohnt!

Foto: Romantikgeist (https://www.flickr.com/photos/romantikgeist/) - Creative Commons Lizenz

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In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit ein paar Leuten befasst, die mir nichts Gutes wollen – ganz im Gegenteil. Sie sind voll von Neid, Wut und Hass und sehen sich stets als Opfer von irgendwas. Ein Leben zwischen Deutschland über alles, Bier und Bratwurst, das bestimmt anstrengend ist, ich mir gar nicht vorstellen mag und glücklicherweise auch nicht leben muss. Aber, neben dem dauernden Vorwurf “demokratiefeindlich” zu sein (das ist, ausgerechnet von diesen Leuten, ein echt gelungener Witz) kommt immer wieder in ihren Artikeln, aber oft auch in Kommentaren, der Vorwurf, wir würden “fürstlich entlohnt”, Steuermittel in exorbitanter Höhe verbraten oder uns bereichern an der “Asylkrise”. Um das mal klarzustellen (die werden das ohnehin nicht glauben, aber egal…) hier mal ein paar Infos, wie das so ist mit der “fürstlichen Entlohnung”:

Was man zunächst wissen muss: ehrenamtlich arbeiten heißt in der Regel, KEIN Geld für seine Arbeit zu bekommen. Das ist freiwillige Arbeit, man setzt seine Freizeit für etwas ein, das einem wichtig ist. Man bekommt also dafür kein Gehalt und keinen Lohn in Form von Geld. Für manche anscheinend schwer vorstellbar.
Alle, die im Rahmen unserer Initiative “Laubegast ist bunt” Geflüchteten helfen (und das sind viele), tun dies freiwillig und unentgeltlich. Nur manchmal gibt es, im Rahmen von Projektgeldern (dazu am Ende mehr) eine Aufwandsentschädigung für eine begrenzte Anzahl von Stunden, meist in Höhe von 5 Euro/Stunde und einem Maximum von 40 Euro pro Monat. Das ist jedoch die Ausnahme. An dieser Stelle vielen Dank und größte Anerkennung an alle unsere Ehrenamtlichen, die viel Zeit und Energie aufbringen, um zu helfen! DIE tun etwas für unsere Gesellschaft.

Ich selbst, als Koordinator des Netzwerkes “Laubegast ist bunt”, habe einen Honorarvertrag mit dem Verein Laubegast ist bunt e.V., da ich sonst nicht in dem Maße ohne Honorar tätig werden könnte, in dem es notwendig ist. Ich bin ebenfalls im Verein Stolpersteine für Dresden e.V. als Vorsitzender ehrenamtlich tätig, auch das kostet Zeit. Daher war meine Bedingung für die Übernahme der Netzwerkkoordination, dass ich zumindest einen Teil meiner Zeit nicht ganz kostenlos zur Verfügung stelle.
Unsere Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigten auch, dass es nicht möglich ist, dieses Engagement rein ehrenamtlich zu machen, wenn man effektiv sein will. Ich kann diese Tätigkeit zudem nur ausüben, weil ich mir als Freiberufler meine Zeit oft frei einteilen kann.

Was bekomme ich nun, und was tue ich dafür?
Ich bin jeden Monat zwischen 80 und 120 Stunden nur für “Laubegast ist bunt” tätig. Ich koordiniere die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Helfer, bereite Veranstaltungen und Netzwerktreffen vor und führe diese durch, lese und schreibe sehr viele Mails, oft auch Berichte und Protokolle, nehme an Sitzungen und Treffen (z.B. mit anderen Initiativen) teil, gebe selbst dreimal pro Woche Deutschunterricht, bin beim Begegnungscafé und beim Sport dabei, begleite Geflüchtete zu Amts-, Anwalts- und anderen Terminen, begleite sie auch zur Anhörung beim Bundesamt und bereite sie darauf vor, habe die Patenschaft für eine Familie übernommen, vermittle Hilfen und Sachspenden und habe immer ein offenes Ohr für Probleme. Dafür bekomme ich pro Monat 700 Euro Honorar. Da ich Freiberufler bin, gehen davon 19% Umsatzsteuer ab, die ich an das Finanzamt abführe, auf die Restsumme von 588 Euro muss ich dann noch Einkommensteuer zahlen. Das ist meine fürstliche Entlohnung für im Schnitt 100 Stunden Arbeit pro Monat. Fahrt- und Benzinkosten bekomme ich nicht ersetzt, nutze aber mein eigenes Auto. Und – ich mache das alles gern, es ist für mich selbstverständlich, JEDEM Menschen zu helfen, der in Not ist. Für 2017 ist übrigens noch nicht klar, ob diese Finanzierung weitergeht, wir sind gerade bei der Beantragung.

Die laufenden Kosten (dazu gehören keinerlei Honorare für irgend jemanden), die entstehen, decken wir über Projektanträge ab. Da bleibt nichts übrig, und es muss alles genau abgerechnet werden. Aktuell zahlen wir auf diese Weise z.B. Miete für die Nutzung des Kinder- und Jugendhauses, für die Sporthalle (einmal die Woche bieten wir Sport an, selbstverständlich ist dieses Angebot, wie alle anderen auch, nicht nur für Geflüchtete, sondern offen für alle), für die Einrichtung unserer Fahrradwerkstatt haben wir im vergangenen Jahr einmalig eine Förderung bekommen.

Ansonsten setzen wir Spendengelder ein, um Kosten abzudecken. Aus Spendengeldern werden keinerlei Honorare gezahlt.

2 Gedanken zu “Der Fürst…

  1. Pingback: Der Demokratiefeind… | datendusche

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