Flutschutz

IMG_3103Jetzt muss aber mal dringend ein kleines Gegengewicht geschaffen werden. Zum Thema Flutschutz in Laubegast. Wenn schon meine Mutter, die in Lübeck wohnt, im Fernsehen Laubegaster Bürger vor Fernsehkameras sieht, die behaupten „nur weil ein paar Bürger hier auf Ihren Elbblick nicht verzichten wollen, sind 13000 Laubegaster abgesoffen“. Ehrlich, selten so einen Schwachsinn gehört. Und unsere Bürgermeisterin, Frau Orosz, ist sich nicht zu schade, genau dasselbe, wenn auch etwas raffinierter verklausuliert, in der Zeitung verlautbaren zu lassen bzw. selbst von sich zu geben. Und wenn sich die Leute unten am Laubegaster Ufer, die jetzt selbst schwer betroffen sind von der Flut, dann auch noch Vorwürfe und Beschimpfungen im Stile von „wegen Euch sind wir abgesoffen“ von Leuten anhören müssen, die teilweise wesentlich weniger betroffen sind, dann ist es Zeit für ein paar vorsortierte Gedanken.

Nun bin ich kein Hochwasser-Experte und kein Hydrologe, nur ein selbst (nicht so schlimm) Betroffener mit gesundem Menschenverstand, und deshalb sind meine Argumente vielleicht auch für alle leicht nachvollziehbar:

– Laubegast war auch bei dieser Flut wieder eine Insel, d.h. von Wasser umschlossen. Was natürlich bedeutet, dass, wenn überhaupt, nur ein Flutschutz, der den Stadtteil vollkommen umschließen würde, auch die Garantie böte, dass hier kein Wasser mehr eindringt.

– a propos eindringen: das Oberflächenwasser, welches ein Flutschutz zurückhalten könnte, ist nur ein Teil des Problems. Bei uns in der Troppauer Straße kam zwar auch das Wasser der Elbe auf der Oberfläche zu Besuch (siehe Foto), allerdings kam es genau so schnell von unten, durch die Kanalisation. Dagegen nützt keine Flutmauer etwas, und der Pegel gleicht sich natürlich an.

– Wasser sucht sich immer einen Weg. Da kommt sofort die Frage auf: wo soll so eine Flutschutzmauer eigentlich beginnen, wo aufhören? Die Elbe wird daran vorbeifließen, auf die andere Seite ausweichen (Niederpoyritz und Hosterwitz werden sich bedanken), irgendo muss das Wasser ja hin.

– das Argument, nur einige wenige Laubegaster, die direkt am Fluss wohnen, würden auf den Elbblick nicht verzichten wollen, ist auch keines, denn auch ich, der ich ein paar hundert Meter von der Elbe entfernt wohne, kann sehr gut darauf verzichten, hinter einer meterhohen Mauer, hinter welcher der Fluß vermutet wird, spazieren zu gehen.

Natürlich gibt es einige, noch nicht vollendete, sinnvolle Hochwasserschutzmaßnahmen, z.B. an der Leubener und an der Österreicher Straße. Die Idee jedoch, den ganzen Stadtteil durch eine drei Meter hohe Mauer am Laubegaster Ufer schützen zu können, scheint mir absurd.

Vielleicht gibt es ja dann, sollte das jetzt angekündigte neue Gesetz „Gemeinwohl vor Bürgerwillen“ verabschiedet und eine Mauer entlang des Elbufers errichtet werden, bei der nächsten „Jahrhundertflut“ ein ganz neues Szenario: das der Flutmauer ausweichende Elbwasser flutet das gegenüberliegende Ufer und fließt verstärkt „hinten herum“, also z.B. in die Flutrinne, diesmal werden also die weiter entfernten Gebiete überschwemmt und haben nicht nur (wie dieses Mal) ein wenig Wasser im Keller… die Bereiche hinter der Mauer werden zwar nicht direkt überflutet, jedoch von Kanalisations- und Grundwasser trotzdem überspült. Dieses Wasser kann dann anschließend wegen der Mauer leider nicht mehr abfließen. Und hinterher müssen sich dann die Flutschutz-Befürworter die Vorwürfe anhören.

Nichts gegen einen sinnvollen Flutschutz, es gibt ja auch (allerdings von Seiten der Stadt ruhende) Verhandlungen zwischen Bürgern und Stadt, um einen Kompromiss zu finden. Aber dieser Aktionismus, diese Forderungen, u.a. von Herrn Tillich und Frau Orosz, nach Schaffung von Gesetzen gegen den Bürgerwillen und vor allem die von der Oberbürgermeisterin nicht gedämpfte, sondern, im Gegenteil, geförderte Hatz und Suche nach Schuldigen finde ich, mit Verlaub, echt scheiße.

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