Gangster-Rapper

Vorgestern war ich im Militärhistorischen Museum Dresden. Allein schon das wäre einen Artikel wert, aber ich war gar nicht in der Ausstellung des Museums (die hab’ ich mir auch schon angesehen), sondern in einer Veranstaltung, die grausig und auch ein bißchen lustig war. Titel der Veranstaltung: “RESET – Aussteiger aus der rechten Szene berichten”. Klang interessant.
mhmddDas Auditorium des Museums war brechend voll, auf dem Podium saß eine seltsame Mischung von Menschen: der wissenschaftliche Leiter des Museums als Diskussionsleiter, der Chef der “SOKO Rex” (ein Kriminalhauptkommissar aus Bautzen), ein etwas älterer und behäbiger Sozialarbeiter, der ein Aussteigerprogramm betreibt, dazu zwei (ehemalige) Nazis. Der eine war der Typ “ich bin total doof und merke es noch nicht mal”, der andere eher “ich bin intelligent und gebildet und zeige das auch”.
Gleich vorab: ich finde es aller Ehren wert, dass diese beiden Jungs den Absprung geschafft haben, und die Arbeit des Sozialarbeiters ist natürlich total wichtig. Aber die Veranstaltung selbst!?!

Der Herr Doktor vom Museum schaffte es nicht, irgendein System in seinen Fragen erkennbar werden zu lassen, außerdem ließ er die Protagonisten ungehemmt schwafeln. Das war zäh und anstrengend! Auf kaum eine Frage wurde direkt geantwortet, vor allem der Kommissar und der Sozialarbeiter kamen aus dem “was ich schon alles erlebt habe” und dem Sich-selbst-auf-die-Schulter-klopfen gar nicht mehr heraus. Aber ich will gar nicht so sehr inhaltlich berichten, da gab es keine Überraschungen. Viel interessanter war das “Setting” im Saal: natürlich waren einige Nazis da, die dann auch unsachlich und ausfallend wurden in der Diskussion. Dem gegenüber war (es handelt sich ja schließlich um ein Museum der Bundeswehr) auch die Militärpolizei anwesend: Böseguck-Muskelberge mit Wumme im Halfter. Habe mich selten so sicher gefühlt.

Das Beste aber war eine Frage des wissenschaftlichen Museumsleiters an den Herrn Kommissar. Irgendwann, gegen Ende der Gesprächsrunde,  musste natürlich noch mal eine Frage kommen, die in eine andere Richtung als nach rechts ging, und so fragte der Herr Doktor sinngemäß: “Herr Kommissar, Sie haben ja bestimmt auch noch mit anderen gewaltbereiten Gruppierungen zu tun, zum Beispiel mit Rockern, Hooligans, oder mit… Gangster-Rappern [schallendes Gelächter im Publikum] –  na ja, die sind frauenfeindlich, homophob und rufen zur Gewalt auf…” Der Kommissar ließ sich nichts anmerken und bügelte die Frage mit einem Hinweis darauf ab, dass “SOKO Rex” ja für “Sonderkommission Rechtsextremismus” steht.
Wir aber hatten unseren Spaß. Es war einfach zu offensichtlich, dass der Herr Doktor sich nicht getraut hatte, das Wort “Antifa” auszusprechen, da war er einfach ausgewichen und hatte auf die Gefahr durch Gangster-Rapper hingewiesen. Als hätten Rocker und Hooligans nicht gereicht.
Diese Gefahr war mir übrigens bisher noch gar nicht so gegenwärtig. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, wann ich zuletzt einen Gangster-Rapper auf der Straße gesehen habe. Bemerkenswert war immerhin, dass der Kommissar nicht auf den “Antifa-Zug” aufgesprungen ist.

Mein einziger Erkenntnisgewinn aus dieser Veranstaltung war dann auch, dass ich für eine weitere Gefahr des täglichen Lebens sensibilisiert wurde. Und Sie, geneigter Leser, sollten in Zukunft auch besser aufpassen. Gehen Sie kein unnötiges Risiko ein! Spielen Sie nicht den Helden!
Wenn Sie auf der Straße oder in der Straßenbahn einen Gangster-Rapper sehen, lieber mal die Straßenseite wechseln oder aussteigen.

Die sehr gute Ausstellung 
"Rechtsextreme Gewalt in Deutschland 1990 - 2013" 
ist übrigens noch bis zum 2. April zu sehen und sei vor allem 
denjenigen empfohlen, die immer noch nicht wissen, was eigentlich 
der Unterschied zwischen Rechtsradikalen und Antifa ist.

2 Gedanken zu “Gangster-Rapper

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