GEMA, GEZ und Apple

Was haben diese drei gemeinsam? Ich rege mich oft über sie auf. Obwohl, eigentlich gar nicht so sehr über sie direkt, sondern über das Phänomen in den Sozialen Netzwerken (und nicht nur dort), das sie eint: die undifferenzierte und damit populistische Kritik.
Natürlich kann man sich über die GEMA echauffieren, denn sie ist ein aufgeblasener Verwaltungsgolem, der Geld schluckt und es überwiegend an Leute verteilt, die ohnehin schon genug davon haben. Aber die Grundidee ist deshalb trotzdem nicht schlecht, wird in der undifferenzierten Kritik aber gleich mit verdammt. Nur Leute, die niemals geistiges Eigentum hatten oder haben werden, können die Abschaffung desselben verlangen.
Dass die GEMA irgendwann tief in der analogen Vergangenheit steckengeblieben ist und es nicht schafft oder schaffen will, in der Gegenwart anzukommen und an einer notwendigen Reform der Urheberrechts mitzuarbeiten, wird vielleicht langfristig sogar in die Selbstabschaffung münden. Aber die anfangs angeprangerte, undifferenzierte Kritik richtet sich eben meist an niedere Instinkte („die wollen unser Geld, die Schweine!“) und hat keinerlei Interesse an einer differenzierten Betrachtung des Themas. Das nervt.

Bei der GEZ, oder neuerdings „Haushaltsabgabe“, ist es ganz ähnlich. Dieselben niederen Instinkte werden angesprochen, und die Komplexität des Themas interessiert bei dieser undifferenzierten Kritik, die es so einfach macht, etwas zu verdammen, niemanden. Ich finde es immer schwierig, die Abschaffung von irgend etwas zu fordern, ohne eine Idee von einer Alternative zu haben.
So wie kürzlich der Gehrinforscher Spitzer auf Soziale Netzwerke, Computerspiele und irgendwie alles, was mit Rechnern zu tun hat, losging. Die Abschaltung des Internets (die eigentliche logische Forderung aus seinen „Erkenntnissen“) hat selbst er nicht gefordert. Er hatte gar keinen Vorschlag, den man auch nur halbwegs hätte ernst nehmen können. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur GEZ.
Schnell wird das System des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks als solches in Frage gestellt, ohne darüber nachzudenken, was eigentlich der Sinn des ganzen ist und was die Alternative wäre. Ich jedenfalls möchte nicht in einer Welt leben, in der es dieses System (das es übrigens in sehr vielen anderen Ländern auch gibt), dessen Sinn es ist, eine Unabhängigkeit der Massenmedien von der Industrie und der Politik zu gewährleisten, nicht mehr gäbe. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es kein ARD, kein ZDF, keine dritten Programme, kein ARTE, PHOENIX oder 3SAT und deren Spartenprogramme und keine öffentlich-rechtlichen Radiosender gibt, sondern nur PRO7, SAT1, RTL, VOX und so weiter. Irgendwie ist die undifferenzierte Kritik in Masse ja auch ein Ergebnis von mehr als 20 Jahren Privatfernsehverblödung.
Und dieses wichtige System des öffentlich-rechtilichen Rundfunks muss finanziert werden, mit der Haushaltsabgabe, die man als eine Art Steuer sehen kann. Die zahle ich gerne. Und das sollten andere auch tun. Radfahrer weigern sich ja (meistens) auch nicht, Steuern zu zahlen, von denen dann Straßen für Autos gebaut werden. Ob diese Haushalts-Abgabe zu hoch ist, wie und dass das System insgesamt reformiert werden muss, kann und muss man diskutieren, aber die Forderung nach Abschaffung ist einfach nur populistisch und undifferenziert. Das regt mich auf.
Und das Apple-Bashing gleich mit. Sicherlich auch provoziert durch den (genauso bescheuerten) Apple-Hype, aber trotzdem immer, in einer Mischung aus „Gegen-Arroganz“ und Neid, undifferenziert. Man muss Apple-Geräte nicht mögen, nicht benutzen, man kann sie zu teuer finden oder die Herstellung in Asien kritisieren, aber man könnte auch einfach darüber stehen. Ich liebe meinen iMac und würde niemals mehr einen PC benutzen wollen, mein iPhone gefällt mir auch sehr (obwohl ich mir beim Smartphone noch am Ehesten vorstellen könnte, notfalls ein Konkurrenzprodukt zu benutzen). Und das iPad ist einfach klasse.
Ich bin übrigens (als Komponist und Texter) Mitglied der GEMA, denn die vertreten meine Rechte als Urheber. Momentan plane ich meinen Austritt, denn mit dem C3S- Projekt der Cultural Commons Collecting Society gibt es konkrete Pläne für eine nicht-exklusive Verwertungsgesellschaft und somit Konkurrenz zur GEMA. Ich habe bereits schriftlich meine Absicht erklärt, dort beizutreten. So ein Projekt kann entstehen, wenn man nicht nur undifferenzierte Kritik übt, sondern, wie diese Leute aus dem Umfeld des CCC, aktiv wird,  sich mit einem Problem differenziert auseinandersetzt und handelt. Über die weitere Entwicklung dieses Projektes werde ich mit Sicherheit berichten.
http://www.c3s.cc

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