“IS-Siggi” weiß was…

siggi

(Symbolbild)

Vor ein paar Wochen hatte ich, am Rande der allmontäglichen Pegida- Kundgebung in der Dresdner Innenstand, ein seltsames Erlebnis. Ich muss sogar zugeben, dass es ein klein wenig peinlich war.
Aber der Reihe nach:
Die vielen alten, schlecht erzogenen wütenden Männer und ihre jungen Freunde mit dem starken Rechtsdrall trafen sich an diesem Montag auf dem Neumarkt. Für Nicht-Dresdner: das ist der Platz, an dessen Rand die Frauenkirche steht.

Durch viele Monate beharrlicher Arbeit ist es den Anmeldern der Gegenkundgebung mit dem Namen “Nationalismus raus aus den Köpfen” gelungen, nunmehr von Versammlungsbehörde und Polizei wirklich nah, also in Sicht- und Hörweite, an die Kundgebung herangelassen zu werden. Man hat wohl verstanden, dass von uns keine Gefahr ausgeht und wir nur unsere Meinung kundtun wollen. Sogar zu Gesprächen kommt es ab und zu, wenn die alten Männer sich doch hin und wieder an ihre weit zurückliegende gute Kinderstube erinnern und bereit sind zu reden statt zu pöbeln. Kommt nicht oft vor, gibt es aber.
Ich kann leider nicht jeden Montag dabei sein, bin es aber oft, so auch an diesem Montag im Mai 2017, mit vielleicht 20 bis 30 weiteren Teilnehmern unserer Kundgebung. Ich hielt eine Ecke des Transparentes mit der Aufschrift ”Nationalismus raus aus den Köpfen”. Die Pegidisten zogen, wie jeden Montag, auf dem Weg zu ihrer Kundgebung an uns vorbei, pöbelten zum Vorglühen ein bisschen herum, beschimpften uns, manche posierten mit Schildern oder Fahnen, das Übliche eben. Viele machten Fotos (was machen die eigentlich damit? Ach, will ich gar nicht wissen…) und Videos. Links neben unserer Kundgebung trieben sich Mitglieder eines Altmännertrupps namens “Anti-Antifa” in einem Biergarten herum und zeigten uns ihr “martialisches” “Logo” auf den Rückseiten ihrer T-Hemden, im verzweifelten Versuch, uns doch mal irgendwann so etwas wie Angst einjagen zu können. Also alles wie immer und von Ritualen geprägt, wie die gesamte Veranstaltung.
Eines aber war anders als so oft: es war sonnig, sehr sonnig und heiß. Und so trug ich eine Mütze, eine Basecap, bei der ich kurz erzählen muss, wie ich an diese herankam, denn sie wird noch eine Rolle spielen in dieser Geschichte.

Es ist schon einige Jahre her, da fuhr ich mal bei meinem Bruder mit, im Cabrio, auf der Autobahn. Da das auf dem Rücksitz eine windige Angelegenheit ist, gab er mir seine Basecap, ich setzte sie auf. Ich bin eigentlich kein Mützenträger, noch nie gewesen, aber seit ich keine Haare mehr habe, muss ich manchmal eine aufsetzen, zum Schutz vor Kälte, Sonne, oder, wie in diesem Falle, Wind. Da die allermeisten Basecaps alles andere als gut aussehen, fiel mir beim Blick in den Rückspiegel sofort auf, dass diese echt cool aussah und sie mir tatsächlich gefiel. Zudem passte sie, was bei meinem großen Kopf selten ist, perfekt und war bequem. Kurzerhand sagte mein Bruder zu mir: “Kannst Du behalten, die Mütze”. So kam diese in meinen Besitz.
Schon damals fiel mir das Logo auf der Stirnseite auf, das Logo der Firma “Under Armour”. Ich googelte, weil mir das arg martialisch erschien, nach der Firma. Diese stattet unter Anderem das amerikanische Militär mit Unterwäsche aus und sponsort in den USA viele prominente Sportler und Vereine.
Für meinen Geschmack alles ein bisschen zu martialisch, aber ich fand es nicht schlimm genug, um die Mütze aus grundsätzlichen Erwägungen heraus gar nicht zu tragen. Ich tue das ohnehin nur ab und zu.
In diesem Jahr geriet die Marke zwei Mal in die Schlagzeilen, einmal, als ihr CEO Donald Trump lobte (was ihm viel Kritik einbrachte), und einmal, weil Under Armour Ausstatter des FC St. Pauli ist. Auch dort sorgte das für Diskussionen, aber UA ist nach wie vor im Geschäft mit dem Verein.

Nun zurück zu Pegida an jenem Montag: wenn ich dort hinfahre, tue ich das meist mit dem Fahrrad, so auch an diesem Tag. Und weil ein Fahrradhelm bei einer Kundgebung oft zu Diskussionen mit den Polizeibeamten führt, verzichte ich darauf und trage stattdessen eine Mütze. So auch an diesem Tag, und zwar besagte UA-Mütze. Oft trage ich diese verkehrt herum, dann ist auch das Logo nicht so auffällig, aber an diesem Tag brannte die Sonne von vorn, und so hatte ich auch den Schirm der Mütze nach vorn gedreht. Und nun kommt Siggi ins Spiel.

Anfang des Jahres , am Altmarkt.

Anfang des Jahres , am Altmarkt.

Siegfried Däbritz, Althool, Möchtegern-Afd’ler und zweiter Mann von Pegida. Wenn Lutz Bachmann lieber in der Sonne von Teneriffa liegt, dann hält Siggi immer die Schlüssel- oder Abschlussrede. Das habe ich schon oft live gehört, und deshalb glaube ich auch zu ahnen, was Siggi dachte, als er diese, meine Mütze in unseren Reihen sah. Siggi denkt sehr eindimensional, was in seinen Reden stets offenbar wird. Für ihn ist die Welt ganz einfach, es gibt gut und schlecht, schwarz und weiß, Moslem und Deutschen. Und er hat wohl ein kleines soziales Defizit, denn es fällt auf, wie oft die Anrede “Freunde” in seinen Reden vorkommt – so als wünsche er sich, es möge so sein, dass er so viele Freunde hat. Vielleicht hat er sich das, wie so vieles anderes, aber auch einfach nur von Lutz abgeguckt, der sagt dieses “Freunde…” immer in genau demselben Tonfall, und auch ganz oft in seinen Reden. Überhaupt kann man, wenn man sie nicht sieht, Lutz und Siggi kaum an der Art zu sprechen, der Stimme oder am Inhalt ihrer Ergüsse unterscheiden. Aber egal, ich schweife ab…
Jedenfalls trug auch Siggi an diesem Tag eine Under Armour- Mütze, und das möglicherweise nicht zufällig wie ich, sondern mit Absicht. Und dann sah er mich, und ihm fiel ein, was er über die Firma gehört oder gelesen hat, und er fasste, da er ja nun etwas Besonderes zu wissen glaubte, einen Entschluss: immer auf der Suche nach Skandalen oder Sensationen für seinen Video-Live-Stream, beschloss er, mich direkt anzusprechen.

Das lief so ab: Siegfried Däbritz kommt direkt auf mich zu und sagt:
“Ich möchte Sie beglückwünschen”
Ich: keine Reaktion
Siggi: “Ich möchte Sie beglückwünschen”
Ich: “Wozu?”
Siggi: “Dazu, dass Sie Trump unterstützen”
Ich: “Hä?”
Siggi: “Na, Ihre Mütze. Sie tragen eine Mütze von Under Armour, die Firma unterstützt Donald Trump”
Nun muss man wissen, dass ich mit Siegfried Däbritz absolut nichts zu besprechen habe.
Daher ich: “Gehen Sie weg”
Siggi: “Sie unterstützen also Donald Trump!”
Ich wieder: “Gehen Sie weg!”
Siggi, zu den anderen hinter mir: “Hier steht ein Trump-Unterstützer bei Euch!”
Ich noch einmal, lauter: “Gehen Sie weg!!”
Ob er dann noch was sagte, weiß ich nicht mehr, ich wandte mich an die Polizeibeamten, die ein paar Meter entfernt standen und sagte: “Können Sie bitte diesen Mann hier entfernen?”
Die Beamten setzten sich in Bewegung, Siggi zog sich ein paar Meter zurück und begann, allen, die herumstanden, sein geheimes Wissen mitzuteilen, was für große Belustigung bei Ordnern und Pegidisten und für eine fast kindliche Freude bei Siggi, der ja was wusste, sorgte. Ich muss zugeben, dass er mich dadurch in eine etwas unangenehme Situation brachte, diesen Triumph, als den er diese Situation bestimmt empfand, gönne ich ihm bis heute nicht. Hätte ich nun die Mütze umgedreht oder abgenommen, wäre das natürlich peinlich gewesen, er dachte ja, er wisse etwas, das ich nicht wusste. Ich behielt sie also auf, bis die Sonne weg war und steckte sie dann in meinen Rucksack. Später, auf dem Weg nach Hause, hatte ich sie wieder auf.

Siggi selbst schlachtete das Ganze dann später in seinem Handy-Livestream noch genüsslich aus, indem er erzählte, dass einer der Gegendemonstarnten doch tatsächlich eine Mütze der Firma Under Armour getragen habe, die Trump durch großzügige Wahlkampfspenden unterstützt habe, und sich somit selbst zu einem Trump-Unterstützer machte. Nebenbei bemerkt ist das schlicht nicht wahr. Under Armour hat nicht den Wahlkampf von Trump unterstützt, sondern den letzten von George W. Bush. Schlimm genug, aber Däbritz lügt eben einfach gern, wenn es ihm in den Kram passt. Auch behauptete er, ich hätte die Mütze sofort abgenommen verschämt entsorgt, und er werde später nach den Überresten suchen gehen. Sorry Siggi, ich hab’ sie noch:

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Nun habe ich natürlich viel über die Sache nachgedacht (daher ja auch dieser Artikel), und  inwiefern ich jetzt mit dieser Mütze Trump unterstützt habe, während ich gleichzeitig ein großes Transparent gegen Nationalismus trug. Darüber kann man bestimmt diskutieren, aber nach dieser Logik ist dann Däbritz auch ein St- Pauli- Unterstützer, wer hätte das gedacht? Seine Dynamofreunde bestimmt nicht.

Und, machen wir uns nichts vor, eigentlich ist Siegfried Däbritz ein Unterstützer des sogenannten Islamischen Staates, der islamistischen Terroristen überall auf der Welt. Denn er macht sich, indem er ständig Angst und Hass verbreitet und von einem Krieg der Welt gegen den Islam faselt, zum willfährigen Unterstützer dessen, was die Terroristen wollen: sie wollen Angst verbreiten und Menschen gegeneinander aufbringen.
Und genau das tut auch “IS-Siggi” Däbritz, jeden Montag.

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