Monarchie jetzt ! (?)

Bildquelle: lexi-online.de

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Aus aktuellem Anlass habe ich darüber nachgedacht, ob meine frühere Aussage “Das bin ich meinen Kindern und meinem Glauben an die zweitbeste Staatsform, die Demokratie (die beste wäre eine Monarchie mit mir an der Spitze), schuldig” (nachzulesen hier, ganz am Schluss) so stehen bleiben kann.
Beim etwas intensiveren Nachdenken über diesen Satz kommen natürlich Fragen auf. Zunächst die Frage nach der Demokratie: da verweise ich auf ein Zitat Winston Churchills, welches mich auch zu meinem Statement angeregt hatte (welches selbstverständlich ernst gemeint ist…). Im Original sagte Churchill, in einer Rede vor dem Unterhaus am 11. Novermer 1947:

"[...] democracy is the worst form of government except all those
other forms that have been tried from time to time." 

Übersetzt heißt das: “Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen alle anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind”.

Da dachte ich natürlich sofort darüber nach, ob das so stimmt, oder ob nicht doch eine Staatsform denkbar wäre, die besser ist als die Demokratie. Spontan fiel mir die Monarchie ein, natürlich nur denkbar und für mich akzeptabel mit mir an der Spitze. Mit Zepter, Reichsapfel, Hermelin, Dienern und Palast und so. Soweit zur Entstehung oben genannten Satzes.

Wenn man jedoch diesen Gedanken (den mit der Monarchie) weiterspinnt, so fallen einem irgendwann Begriffe ein wie Dekadenz, Intrige, Guillotine… alles nicht so angenehm. Vielleicht ist das Berufsrisiko als Monarch dann doch etwas zu groß für meinen Geschmack? Ich kenn mich da leider nicht so aus, ich will ja nicht Politiker werden, sondern Despot, also schauen wir einfach mal, was es so an Staatsformen geben könnte
(Quelle: Wikipedia):

Zunächst zur Monarchie. Die gibt es nämlich ein mehreren Ausprägungen -

  1. Absolute Monarchie – hier hat der Monarch die uneingeschränkte Macht.
    Ist mir, wie gesagt, zu gefährlich.
  2. Konstitutionelle Monarchie – die Macht des Monarchen ist durch eine Verfassung mehr oder weniger beeinträchtigt, er kann nicht absolut herrschen.
    Mmh – nicht absolut herrschen? Dann eben nicht!
  3. Parlamentarische Monarchie – so was wie eine Demokratie mit einem Monarchen mit repräsentativen Aufgaben.
    Klingt ungefährlicher, aber auch nach unendlichem Händeschütteln, Empfängen, noch mehr Hände schütteln, Kinder-in-Kameras-halten… mir zu anstrengend, sorry! 
    Damit sind wir auch schon bei der Staatsform Republik:
  4. Parlamentarisches Regierungssystem – die Ämter von Staats- und Regierungschef sind getrennt, wobei die Regierung stets vom Vertrauen des Parlaments abhängt.
    Kommt mir irgendwie bekannt vor…
  5. Präsidentielles Regierungssystem - Republik, in der der Präsident sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef ist und in (quasi-)direkter Volkswahl bestimmt wird.
    Na ja, direkte Volkswahl – das wird für mich dann wohl doch nix…
  6. System der parlamentsgebundenen Exekutivgewalt - Republik, in der der Präsident sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef ist, jedoch vom Parlament gewählt wird und von dessen Vertrauen abhängig ist.
    Mehrere Ämter in Personalunion – klingt ein bisschen nach Türkei. Und das Parlament kann man entmachten… trotzdem nicht recht überzeugend.
  7. Räterepublik - Herrschaft wird über vom Volk direkt gewählte Räte ausgeübt.
    Hatten wir auch schon, nicht überzeugend, oder?
  8. Direktorialsystem: Republik, in der ein Direktorium die Regierungsgewalt innehat.
    Das klingt nicht schlecht: Direktorium, und ich nicht König, sondern Direktor… ach nein, klingt nach Schule, und vielleicht dann auch wieder nach Guillotine.
    Dann vielleicht eine gepflegte Diktatur? Schließlich will ich ja gern Despot werden. Mal schauen, was es da so gibt:
  9. Einparteiensystem - Diktatorische Herrschaft durch eine Partei, oft in realsozialistischen oder faschistischen Ländern anzutreffen
    Ach, Parteien sind so 90ger… und nervig.
  10. Militärdiktatur - Ausübung der Regierung durch ein militärisches System
    Nix für mich als Pazifist.
  11. Personelle Diktatur - auf eine Führungsperson fixierte, weniger ideologische Diktatur und damit das Regierungssystem einer diktatorischen, charismatischen Herrschaft
    Das klingt ein wenig Erdoganesk – da denke ich noch mal drüber nach…
  12. Tyrannis / Despotie - entartete Form einer absoluten (Gewalt-)Herrschaft, entspricht einer Autokratie bzw. Despotie und ist somit eine illegitime Diktatur und Willkürherrschaft des Monarchen
    Womit sich dann der Kreis Despot – Diktatur – Monarch dann wieder schließt. Mich juckt es gerade am Hals…

Tja, ich bin, ehrlich gesagt, etwas ratlos. Monarch, Despot, Diktator, alles gut und schön, aber irgendwie auch nicht ungefährlich. Und eigentlich will ich lieber meine Ruhe haben. Zudem muss man sagen, dass Demokratie eben nicht bedeutet, dass derjenige, der am lautesten schreit, Recht bekommt, oder dass es immer nach der Mehrheit geht, wie es sich manche wünschen. Da sind die Entscheidungsprozesse dann doch etwas komplexer, als mancher es sich vorzustellen vermag oder vorstellen will.
In Abwandlung des Churchill- Zitates würde ich sagen: “Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, aber immer noch die beste, die ich mir vorstellen kann”.

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Eine Gesellschaftsform fehlt Natürlich noch: Die Anarchie.

Schauen wir noch mal bei Wikipedia nach:

Landläufig wird Anarchie auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit beschrieben und vor allem in den Medien häufig im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet. Die tatsächliche Bezeichnung für einen solchen Zustand ist jedoch Anomie.

Anders die Anarchie. Erich Mühsam definierte:

„Anarchie, zu deutsch: ohne Herrschaft, ohne Obrigkeit, ohne Staat, bezeichnet somit den von den Anarchisten erstrebten Zustand der gesellschaftlichen Ordnung, nämlich die Freiheit jedes einzelnen durch die allgemeine Freiheit. In dieser Zielsetzung, in nichts anderem, besteht die Verbundenheit aller Anarchisten untereinander, besteht die grundsätzliche Unterscheidung des Anarchismus von allen andern Gesellschaftslehren und Menschheitsbekenntnissen. (…) Die Verneinung der Macht in der gesellschaftlichen Organisation ist das maßgebliche Wesensmerkmal der Anarchie.“

– Erich Mühsam: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat

Anarchie bedeutet somit für Anarchisten, dass jeder Mensch sich ohne unterdrückende Autorität und in freier Assoziation mit anderen Menschen entfalten kann. Eine solche Organisationsstruktur wird hierarchie–, zwangs- und gedacht und sollte nicht mit einer herkömmlichen Verwaltung verwechselt werden. Eine anarchistische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der jeder Mensch selbst beziehungsweise in Kooperation mit anderen für die eigenen Lebensumstände Verantwortung übernimmt. Es gibt keinerlei lenkende Zentralgewalt. Sanktionen gehen nicht von einer Führungsschicht aus, sondern sind nur möglich, wenn vorher vereinbarte Regeln verletzt wurden. Als weitestgehende Konsequenz wird dabei der Ausschluss aus der kommunalen Gemeinschaft angeführt. Die Anarchisten wollen die Gesellschaft sich selbst regeln lassen, etwa über Räte, freie Übereinkunft oder rein funktionale Entscheidungen, mit den Worten von Pierre Joseph Proudhon: „Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.“

Könnte anstrengend werden, und ich fürchte, mit den Menschen, wie wir sie derzeit erleben, ist etwas so Fortschrittliches nicht machbar. Schade.

Ein Gedanke zu “Monarchie jetzt ! (?)

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