Nationalfeiertag

So fängt es immer an...

So fängt es immer an…

Im Sommer 2011 war mal eine Reise nach Paris fällig, mit der ganzen Familie. Bei uns ist das nicht immer einfach zu planen, denn für Selbstständige bedeutet Urlaub machen nicht nur die nötige Zeit finden, nein, es bedeutet auch etliche Tage kein Geld verdienen und dann auch noch den Urlaub bezahlen. Daher hängt das bei uns (wir sind beide selbstständig) immer von vielen Faktoren ab, und der Zeitraum ergibt sich eher zufällig. So auch in diesem Fall. Wer käme auch sonst auf die Idee, ausgerechnet um den französischen Nationalfeiertag (14. Juli) herum nach Paris zu fahren? Aber gerade das sollte sich als besonderes, für uns auch irgendwie befremdliches Ereignis herausstellen.

Man könnte meinen, dass um diese Zeit gar kein Hotelzimmer in oder auch nur nahe Paris zu finden ist, aber das war erstaunlicherweise kein Problem. Wenn auch etwas außerhalb in einem Gewerbegebiet gelegen, so hatten wir doch eine gute Unterkunft, sogar den Eiffelturm konnten wir (in der Ferne) von unserem Zimmer aus sehen. Die Auswirkungen des Feiertages bekamen wir allerdings schon bei der Abreise am 12. Juli zu spüren, als wir viele Stunden in durch Tunnel- und Straßensperrungen bedingten Riesenstaus verbringen mussten.

Am 14. Juli dann fuhren wir natürlich, in völlig überfüllten Metro-Waggons, in die Innenstadt, zum Champs Elysées, einfach aus Neugier. Und das war für uns nun wirklich befremdlich: Massen von Menschen feierten die Militärparade, Familien mit Kindern, junge Leute, alte Menschen, ganz Paris schien auf den Beinen zu sein und jubelte der vorbeiziehenden Militärmaschinerie (von tief fliegenden Flugzeugen über die vorbei marschierende Fremdenlegion bis hin zu schweren Panzern und Raketen) zu!

Schweres Gerät auf dem Champs Elysées

Schweres Gerät auf dem Champs Elysées

Unsere Gefühle schwankten zwischen Irritation, Trauma und Verwirrung. Meine Stieftochter entdeckte eine (nicht ganz ernst gemeinte) seltsame Faszination für Kanonenrohre, mein Sohn fragte sich entgeistert: “Wo sind denn hier die Pazifisten? Wo die Gegendemonstranten?”
Um es kurz zu machen: beide haben wir an diesem Tag nicht gesehen. Oder, besser gesagt, nicht bemerkt, denn zumindest die Pazifisten müssen da gewesen sein. Einige Tage später unterhielt ich mich mit einem älteren Herrn, der sehr gut deutsch sprach. Er war als Lehrer bei der französischen Armee viele Jahre in Deutschland gewesen. Immer noch traumatisiert von der allgemeinen Militärbegeisterung am Nationalfeiertag, stellte ich ihm die Frage meines Sohnes, und er antwortete: “Die Pazifisten? Die waren auch da und haben an der Straße gestanden, Fähnchen geschwenkt und gejubelt. Wir lieben unsere Armee, sie erhält den Frieden!”
Seltsame Logik. Aber liegt es wirklich nur an unserer Geschichte, dass wir mit einer Militärparade so rein gar nichts anfangen können? Oder ist es nicht vielmehr etwas befremdlich, wenn ein ganzes Volk an der Straße steht und die Tötungsmaschinerie bejubelt? Mein Sohn  hatte eine für mich absolut plausible Erklärung für diese Faszination für das Militärische, gepaart mit Nationalstolz (der uns auch fremd ist). Er bemerkte angesichts der Szenerie lakonisch: “Und das alles nur, weil die hier so kleine P…. haben, und vor Allem, weil sie nie einen Krieg gewonnen haben.” Zumindest sein zweites Argument könnte eine gute Erklärung sein.

Unsere Art zu feiern

Unsere Art zu feiern

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>