Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Dresden

Betreff: Mission Lifeline

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hilbert,

sicher wissen Sie, dass die NGO Mission Lifeline, deren Schiff seit Wochen auf Malta am Auslaufen gehindert wird und dessen Kapitän sich vor Gericht verantworten muss, aus Dresden stammt und von Bürgern dieser Stadt, deren Oberbürgermeister Sie sind, gegründet wurde. Viele Bürger von Dresden unterstützen das, was diese Menschen im Mittelmeer tun, ausdrücklich.

Ich vermisse bis heute eine Aussage von Ihnen zu diesem Thema, welches mittlerweile europa-, wenn nicht gar weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Am liebsten wäre mir natürlich eine Solidaritätserklärung des Oberbürgermeisters der Stadt Dresden mit diesen Dresdner Bürgern, die nichts anderes tun, als Menschenleben zu retten. Oder wenigstens irgendeine Erklärung zu diesem Sachverhalt. Das muss möglich sein.

Als ich Sie kürzlich persönlich darauf ansprach, antworteten Sie mir sinngemäß, das Thema Migration und Flucht sei viel zu komplex, um darauf mit einer einfachen Erklärung einzugehen.
Das ist sicher richtig, es ist ein sehr komplexes Thema, aber ich erwarte von Ihnen ja auch keine Erklärung zum Thema Migration und Flucht, sondern zu der Frage, ob es richtig ist, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, oder, wie die „Zeit“ kürzlich fragte „es einfach zu lassen“. Diese Frage, Herr Hilbert, finde ich extrem unterkomplex. Sie ist mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten.

Gern komme ich einmal mit meiner 13jährigen Patentochter aus Eritrea und ihrer Mutter zu Ihnen ins Büro, vielleicht können Sie den beiden, die auf der Überfahrt von Libyen vor dem Ertrinken gerettet worden sind, mal persönlich erklären, dass, wenn sie sich jetzt in ihrer Verzweiflung auf den Weg machen würden, sie leider aufgrund der Komplexität des Themas Migration und Flucht ertrinken müssten. Nebenbei bemerkt, die beiden haben extrem schlimme Dinge erlebt, sind nicht freiwillig aus ihrer Heimat geflohen, nicht zum Spaß in ein Schlauchboot gestiegen, sie wollten sogar ursprünglich gar nicht nach Europa. Auch ihre Geschichte ist also komplex, wird aber an der Stelle, wo sie ertrinken würden, weil keiner sie retten darf, schrecklich einfach.

Herr Hilbert, ich wünsche mir… nein, eigentlich erwarte von Ihnen als Oberbürgermeister von Dresden eine wie auch immer geartete Erklärung und die Anerkennung  ehrenamtlichen Engagements Dresdner Bürger zur Rettung von Menschenleben und kein Schweigen zum zugelassenen Sterben im Mittelmeer!

Dresden, den 13.8.2018

Claus Dethleff

Dresden für Alle (Mitglied der Koordinierungsgruppe)
Laubegast ist bunt (Netzwerkkoordinator)

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