Preisverleihung

IMG_2378Da erhielt ich, schon vor Monaten, einen Anruf aus der Sächsischen Staatskanzlei. Ich sei für den Sächsischen Bürgerpreis nominiert worden, ob ich damit einverstanden wäre und den Preis ggf. annehmen würde?
Kurz kam mir in den Sinn, was Klaus Kinski mal sagte: “Das Geschmeiß braucht mir keine Preise zu verleihen”, und auch, dass Helmut Schmidt das Bundesverdienstkreuz abgelehnt hatte mit der Begründung “Hanseaten nehmen keine Orden an”. Ich fühle mich zwar als Dresdner, aber auch immer noch als Hanseat, dann aber dachte ich an das Preisgeld, und auch daran, dass ein wenig Öffentlichkeit immer gut sein kann für das, was man so macht und was einem wichtig ist.
Also füllte ich ein Formular aus, schickte es ab und war im “Rennen”.


Wer mich für diesen Bürgerpreis vorgeschlagen hat, weiß ich nicht, und spätestens, als ich las, dass Frank Richter in der Jury saß, war mir klar, dass ich ohnehin keine Chance haben würde. Nicht schlimm, ich mache das, was ich mache, weil ich es wichtig finde und machen will. Andere, zum Beispiel die tatsächlichen PreisträgerInnen, haben das viel mehr verdient als ich, freuen sich bestimmt viel mehr als ich es täte und messen dem eine viel größere Bedeutung zu.
Ich habe mich dann auch bei der Verleihung in der Frauenkirche Dresden sehr für sie und mit ihnen gefreut. Gewonnen hat den Preis in der Kategorie, in der ich (und noch 40 andere) nominiert war, eine Pflegemutter, die schon 45 Kinder in Obhut genommen hat. Sehr beeindruckend. Das ausgerechnet eine Pfarrerin die einzig gelungene Rede des Abends hielt, fand ich interessant, und dass Herr Tillich die Zuhörer eher merkelmäßig zu sedieren und mich durch Langeweile zu töten versuchte, kam nicht weiter überraschend.

Nur um meine Rede, die ich natürlich vorbereitet hatte und leider nicht halten konnte, und um das Geld ist es schade. Deshalb nun an dieser Stelle das, was ich gesagt hätte:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich für diesen Preis bedanken, und, soweit er mein Engagement betrifft, empfinde ich ihn auch als Ehrung. Dennoch habe ich darüber nachgedacht, ob ich nicht, gesetzt den, wie ich fand, sehr unwahrscheinlichen Fall, ich würde ihn gewinnen, diesen Preis eigentlich ablehnen müsste und sollte.

Es gibt Menschen, die sagen, sie würden sich fremd im eigenen Land fühlen. Das trifft seit einiger Zeit auch auf mich zu, allerdings betrachte ich dieses Land nicht als “mein” Land, sondern als das Land, in dem ich zufällig geboren wurde und nun lebe. Und ich empfinde das wohl etwas anders, als dies viele andere hier in Sachsen empfinden, hohe Politiker eingeschlossen. Ich fühle mich fremd in einem Land, das sich vom Humanismus verabschiedet, in dem ständig über den Wert – oder auch den Unwert –, über die Verwertbarkeit von Menschen debattiert wird. In dem es Parallelgesellschaften von Menschenverachtern gibt. In dem etliche wieder meinen, einer Herrenrasse anzugehören.
In dem ein Ministerpräsident jetzt gern noch mehr die Ansichten derer übernehmen möchte, die ganz weit rechts in einer eigenen Welt voller Invasoren, kriminellen Untermenschen, Vergewaltigern und Heerscharen von bedrohlichen, nicht zu Sachsen gehörenden Muslimen leben. Dem der Klang von „Deutschland, Deutschland über alles“ mehr und mehr zu gefallen scheint, auch wenn es heute heißt „Damit Deutschland wieder Deutschland ist“. Klingt etwas besser, meint aber dasselbe. Als ob Deutschland nicht Deutschland bleibt, wenn nicht alle blond sind und ein Kreuz um den Hals tragen.
Solche rechten Positionen sollen also gestärkt werden, obwohl gerade da, wo die CDU oder die CSU genau dies tat, versuchte, die Wähler am rechten Rand zu gewinnen, eben diese ganz Rechten die größten Wahlerfolge erzielten. Nun ja, jedem steht es frei, den Zeitpunkt und die Ausgestaltung des eigenen Unterganges selbst zu wählen.

Ich nehme diesen Preis nun also an, stellvertretend für die leider nur etwas mehr als 42% der Menschen in diesem Bundesland, die keine Politik der Ausgrenzung, sondern eine der Offenheit und Menschlichkeit gewählt haben und von denen viele den Preis mit Sicherheit viel mehr verdient hätten als ich.

Das Preisgeld werde ich zu gleichen Teilen an Organisationen spenden, die wirklich etwas zum Gedeihen unseres Zusammenlebens beitragen und dafür kämpfen, dass diese Welt besser und nicht schlechter und kälter wird, und zwar an:

-       Mission Lifeline, die im Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken retten

-       Den autonomen Infoladen Malobeo in der Dresdner Neustadt

-       Das alternative Zentrum AZ Conni im Hechtviertel

-       Die Initiative No Border Kitchen Lesbos, die Geflüchtete Menschen mit Nahrung versorgt

Vielen Dank.”

*   *   *   *

Ich werde übrigens, damit die Sache nicht ganz umsonst war, an die vier genannten Initiativen je 50,- Euro spenden.

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