Stolpersteine – die Verlegung

Zwei Tage ist es jetzt her, da hat Gunter Demnig in Laubegast die fünf Stolpersteine verlegt, für die ich die Recherchen gemacht hatte. Ich habe in meinem Blog schon hier und hier darüber berichtet. Auf den Tag hatte ich mich schon lange mental vorbereitet, er hat mich dann aber doch noch mehr mitgenommen als ich erwartet hatte. Jetzt möchte ich dieses Kapitel mit ein paar Fotos der Verlegung und einem kurzen Bericht abschließen. Stolpersteine – die Verlegungweiterlesen

Sexismus made by CalzedoniaSexism, made by Calzedonia

Die betreffende WerbungOktober 2013 in Dresden. Die ganze Stadt ist zugepflastert mit einer Werbung der Firma Calzedonia. Werbung auch für die Altmarkt Galerie. Es ist nicht klar, wofür hier geworben wird, denn es steht nichts auf den Plakaten, nur „Calzedonia“ und „Altmarkt Galerie“. Vielleicht wird hier für Lolitas geworben, oder für Essstörungen? Drei Motive, alle fragwürdig, eines jedoch absolut sexistisch. An praktisch jeder Bus- und Bahnhaltestelle, jeder Litfaßsäule. Kotz.

Ich erfuhr später, dass es in Berlin ganz ähnlich aussah, vermutlich also in ganz Deutschland. Eine Weile ertrug ich diese Zumutung zähneknirschend, dann beschloss ich, etwas zu unternehmen. Ich schrieb an die Altmarkt-Galerie und an den Deutschen Werberat, fast gleichlautend:

The Calzedonia ad
The Calzedonia ad

October 2013 in Dresden. The whole city is plastered with advertising for a company by the name of Calzedonia. Adverts for the shopping mall “Altmarktgalerie”, too. It is not quite clear what is advertised because there isn’t any text on the posters, only „Calzedonia“ and „Altmarktgalerie“. Maybe it’s an ad for Lolitas, or perhaps for eating disorders? Three motifs, all of them questionable, but one absolutely sexist. Virtually every bus and tram stop, every advertising pillar show these ads. Puke.

I learned later that it looked very similar in Berlin, presumably throughout Germany. For a while I was able to resist my reflex, but then I decided to do something. Sexismus made by CalzedoniaSexism, made by Calzedoniaweiterlesen

Stolpersteine (Update)

stolperstein_lgBereits im März hatte ich hier einen Artikel über meine Recherchen zum Thema Stolpersteine in Laubegast veröffentlicht. Nun gibt es einige Neuigkeiten, die ich den geneigten Lesenden nicht vorenthalten möchte.
Der Stand im März war, dass ich einige Briefe an verschiedene Verwandte bzw. Nachkommen der von mir recherchierten Opfer des Nationalsozialismus geschrieben hatte.

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Graffiti an der Waldschlößchenbrücke

Eine der wirklich schönen Seiten unserer Demokratie ist, dass jeder Bürger das Recht hat, Petitionen einzureichen, die dann auch von den entsprechenden Stellen bearbeitet werden müssen.

Nun gibt es ja in Dresden diese neue Brücke, die unsere schöne Stadt den Unesco Weltkulturerbe-Titel gekostet hat. Die Fertigstellung und Eröffnung war schon für 2012 geplant, aber wie es bei öffentlichen Bauvorhaben so ist – jetzt wird es (bei exorbitant gestiegenen Kosten ) der kommende Montag sein, der 26. August 2013. Das Problem, neben der Sache mit dem Elbtal, ist die Optik dieser Brücke. Viel Stahl, Eisenbahnromantik, und an den Enden jede Menge Sichtbeton. Als ich im Sommer 2011 in Paris war, kam mir eine Idee zur Gestaltung, und ich verfasste folgende Petition: Graffiti an der Waldschlößchenbrückeweiterlesen

Flutschutz

IMG_3103Jetzt muss aber mal dringend ein kleines Gegengewicht geschaffen werden. Zum Thema Flutschutz in Laubegast. Wenn schon meine Mutter, die in Lübeck wohnt, im Fernsehen Laubegaster Bürger vor Fernsehkameras sieht, die behaupten „nur weil ein paar Bürger hier auf Ihren Elbblick nicht verzichten wollen, sind 13000 Laubegaster abgesoffen“. Ehrlich, selten so einen Schwachsinn gehört. Und unsere Bürgermeisterin, Frau Orosz, ist sich nicht zu schade, genau dasselbe, wenn auch etwas raffinierter verklausuliert, in der Zeitung verlautbaren zu lassen bzw. selbst von sich zu geben. Und wenn sich die Leute unten am Laubegaster Ufer, die jetzt selbst schwer betroffen sind von der Flut, dann auch noch Vorwürfe und Beschimpfungen im Stile von „wegen Euch sind wir abgesoffen“ von Leuten anhören müssen, die teilweise wesentlich weniger betroffen sind, dann ist es Zeit für ein paar vorsortierte Gedanken. Flutschutzweiterlesen

Freispruch

nazi01Ein kurzer Bericht von einem Dresdner „Blockiererprozess“*

Gestern war ich wieder mal im Amtsgericht Dresden, als Zeuge. Zum mittlerweile fünften (!) Mal machte ich dort eine Aussage in derselben Sache, nur mit wechselnden Angeklagten, als (einziger) Zeuge der Verteidigung.
Zunächst, für alle Nicht-Dresdner und alle, die es bisher nicht mitbekommen haben, ganz kurz die Vorgeschichte: jedes Jahr um den 13. Februar herum planen Nazis einen sogenannten „Trauermarsch“ durch Dresden, denn die Stadt wurde am 13. Februar 1945 durch Bomben weitgehend zerstört. Etliche Jahre wuchs diese alljährliche Aufmarsch der Rechten immer weiter an, da die Bürger beschlossen hatten, ihn durch Ignorieren immer kleiner werden zu lassen. Ab 2009 gab es endlich verstärkte Gegenproteste. Im Jahre 2010, mittlerweile wurde mit mehr als 6000 Teilnehmern der größte Neonazi-Aufmarsch Europas erwartet, beschlossen die Stadtverwaltung und die Polizei, die Elbe als natürliche Trennlinie zwischen Rechten und Gegendemonstranten zu nutzen und entwickelten ihr sogenanntes „Trennungskonzept“. Dass den Nazis dabei als Sammlungspunkt ausgerechnet der Bahnhof Neustadt zugewiesen wurde, der Bahnhof also, von dem die Nazis die Dresdner Juden nach Auschwitz deportiert hatten, bleibt bis heute vollkommen unverständlich. Freispruchweiterlesen

Im Sog der Stolpersteine

Eine Recherche kann wie ein Sog sein. Sie kann einen einsaugen in eine Welt, die kein Ende zu haben scheint und die einen nicht mehr loslassen will. Das habe ich in den letzten Wochen am eigenen Leib erfahren.

Stolperstein in Berlin. Foto: Thomas Quine
Stolperstein in Berlin.
Foto: Thomas Quine

Eigentlich fing das alles schon vor Monaten an. Schon länger bin ich aktiv in der Bürgerinitiative „Laubegast ist bunt!„, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dafür zu sorgen, dass Laubegast ein offener, bunter und toleranter Stadtteil wird bzw. bleibt.
Anlass für die Gründung dieses Netzwerkes, in dem Bürger, Ortsbeiräte und auch die Polizei zusammenarbeiten, war das Wahlergebnis der letzten Stadtratswahl. Bei dieser brachte es die NPD im Wahlbezirk Laubegast/Leuben auf teilweise bis zu 7% (Laubegast) und sogar 8,5% (Leuben) der Stimmen. Hauptaugenmerk der Initiative ist also rechtsextremistisches Gedankengut und was man dagegen tun kann.
Ende Oktober 2012 hatte dann jemand die Idee, auch hier bei uns in Laubegast sogenannte „Stolpersteine“ zu verlegen. Damit begann es für mich.

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Gangster-Rapper

Vorgestern war ich im Militärhistorischen Museum Dresden. Allein schon das wäre einen Artikel wert, aber ich war gar nicht in der Ausstellung des Museums (die hab‘ ich mir auch schon angesehen), sondern in einer Veranstaltung, die grausig und auch ein bißchen lustig war. Titel der Veranstaltung: „RESET – Aussteiger aus der rechten Szene berichten“. Klang interessant.
mhmddDas Auditorium des Museums war brechend voll, auf dem Podium saß eine seltsame Mischung von Menschen: der wissenschaftliche Leiter des Museums als Diskussionsleiter, der Chef der „SOKO Rex“ (ein Kriminalhauptkommissar aus Bautzen), ein etwas älterer und behäbiger Sozialarbeiter, der ein Aussteigerprogramm betreibt, dazu zwei (ehemalige) Nazis. Der eine war der Typ „ich bin total doof und merke es noch nicht mal“, der andere eher „ich bin intelligent und gebildet und zeige das auch“.
Gleich vorab: ich finde es aller Ehren wert, dass diese beiden Jungs den Absprung geschafft haben, und die Arbeit des Sozialarbeiters ist natürlich total wichtig. Aber die Veranstaltung selbst!?! Gangster-Rapperweiterlesen

Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“

In den Abendstunden des 2. März 1943, also heute vor genau 70 Jahren, wurde das knapp außerhalb der Stadtgrenze Dresdens gelegene „Judenlager“ Hellerberg aufgelöst. Erst wenige Monate zuvor, im November 1942, waren die letzten Judenhäuser in Dresden aufgelöst und deren Bewohnen hierher gezwungen worden. Da das Lager außerhalb der Stadtgrenze lag, galt damit das erklärte Ziel, Dresden „judenrein“ zu machen, als erfüllt.
Sämtliche 293 Insassen dieses Lagers, das auf dem der Firma Zeiss Ikon gehörenden Gelände von der Gestapo eingerichtet worden war, wurden als Zwangsarbeiter im nahe gelegenen Rüstungsbetrieb der Zeiss Ikon AG, dem Goehle-Werk, beschäftigt. Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“weiterlesen

Ein weiterer Jahrestag der „Opferstadt“

Heute vor genau 75 Jahren, am 1. März 1938, zog ein vierstündiger Faschingsumzug durch die Dresdner Straßen. Das Motto: „Auszug der Kinder Israels“. Massen von Menschen bejubelten den Umzug.
Nach den Gewalttaten am 9. November desselben Jahres mussten alle Juden in sogenannte „Judenhäuser“ ziehen. Von den 4397 Bürgern jüdischen Glaubens oder „jüdischer Abstammung“, die 1933 in Dresden registriert waren, überlebten nur wenige die Vernichtungslager. Noch 1945 waren 382 Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Dresden untergebracht, wo sie für die Firma Zeiss Ikon Zwangsarbeit leisten mussten. Die Rolle speziell dieser Firma im Dritten Reich bedarf dringend einer Aufarbeitung, die bisher in keiner Weise erfolgte.

http://youtu.be/xLFaXQdzmV4