Das Rudel

rudelWer sagt, dass alles Elend auf der Welt seine Ursache in Dummheit, Skrupellosigkeit, Machtgeilheit und Religion in beliebigen Zusammenstellungen hat und hatte, der liegt damit ziemlich richtig. Man kann es aber vielleicht auch auf einen noch einfacheren Nenner bringen: das Rudel hat Schuld.
Ich bin kein Soziologe oder Anthropologe oder sonstiger -loge, aber wenn ich mich so umschaue in der Welt, dann scheint mir ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit das menschliche Handeln entscheidend zu beeinflussen. Ist er, der Mensch, doch ein instinktgesteuertes Wesen, wie alle Säugetiere. Und deshalb oft auch seinem Instinkt ausgeliefert. Das Rudelweiterlesen

Eindimensional

eindimensional2Das Lesen von Posts bei Facebook und Twitter bringt mich zuweilen an die Grenze meiner eigentlich nicht gerade geringen Belastungsfähigkeit. Vor allem die Kommentare bei Facebook sprengen manchmal jeden Rahmen eines menschlichen Miteinanders, wie ich es mir vorstelle. Da sind natürlich zum Einen die „Trolls“ genannten Idioten und Quatschköpfe, die zu allem ihren überflüssigen Sermon absondern müssen. Das war ja auch in der Vor-Social-Network-Welt nicht anders: in der Kneipe redet meistens der am lautesten, der nichts Sinnvolles zu sagen hat.
Momentan wird es aber immer schlimmer, denn wir befinden uns in Zeiten mit Problemen, die komplex sind. Aber alle wollen einfache Lösungen, einfache Erklärungen, sehnen sich scheinbar unbändig danach. Das ist die Keimzelle für den Fluch der Sozialen Netzwerke: die eindimensionale Sichtweise. Eindimensionalweiterlesen

Filterbubble 2.0Filter Bubble 2.0

blaseDer Effekt ist inzwischen allgegenwärtig, wenn auch von vielen immer noch unbemerkt: die sogenannte „Filterbubble“, die Filterblase. Amazon hat mal irgendwann damit angefangen – nicht nur die Einkäufe, sondern das gesamte Surfverhalten der Nutzer zu scannen, um möglichst passgenau Produkte platzieren und dem Käufer anbieten zu können. Das kann ganz praktisch sein, wenn einem nicht ständig was angeboten wird, das man ohnehin niemals kaufen würde. Aber die Nachteile sind gravierend: neben der Datensammelei und dem Anlegen von Nutzerprofilen gerät der Kunde eben auch in die besagte Filterblase, denn mittlerweile agieren alle Internetanbieter so – Facebook, Google und Co. filtern alles heraus, was mich vermeintlich nicht interessiert. Ich befinde mich somit im Netz in einer Blase aus Dingen und Informationen, die (nach Ansicht der Kunden-Scanner) für mich interessant oder wichtig sind. Alles Andere bleibt außen vor. bubbleThere is this effect that is now omnipresent although still unnoticed by many people, which is called the „Filter Bubble“. Years ago, Amazon started it – by scanning not only the purchases, but the entire browsing behavior of users to place ads and products accurately fitting as possible. This can be useful, if you do not get ads for uninteresting products all the time. But there are some serious drawbacks: in addition to the excessive collection of personal data and the creation of user profiles, the customer is caught in the said filter bubble , because now all Internet companies use these algorithm techniques  – Facebook , Google and all the others filter out everything that supposedly is not relevant or interesting for you. Therefore, in the Internet, I am moving inside a bubble of things and information that scanners and algorithms “think” are interesting or important to me. Everything else is left out. Filterbubble 2.0Filter Bubble 2.0weiterlesen

Eine neue Stufe der BedeutungslosigkeitA new level of insignificance

Ich bin fest davon überzeugt, dass einer der Gründe, warum soziale Netzwerke so erfolgreich sind, der Drang des Menschen nach „Unsterblichkeit“ ist. Der Mensch weiß, dass sein Dasein endlich ist, er möchte Spuren hinterlassen. Früher war das schwierig: man musste berühmt werden.

Der Mensch will Spuren hinterlassen...
Der Mensch will Spuren hinterlassen…

Oder wenigstens ein Buch schreiben, eine Platte veröffentlichen. Nur Kinder in die Welt zu setzen hat noch nie gereicht. Denn Erinnerungen und Spuren sind weder gefühlt und noch tatsächlich dasselbe. Heute jedoch, im Netz, besonders in den Sozialen Netzwerken, da scheint das ganz einfach zu sein. Jeder kann irgend was in die Welt hinaus posaunen und damit das Gefühl bekommen, er würde Spuren hinterlassen. Oder sich das zumindest einbilden, denn es ist natürlich eine Illusion.

I am convinced that one of the reasons for the success of social networks is the urge of people to be “immortal”. Everybody knows that their life will definitely come to an end one day. So they wants to leave their mark. In the past, this could be complicated: you had to be famous.

Man wants to leave traces ...
Man wants to leave traces …

Or at least write a book, publish a record. To only bring children into the world has never been enough, because memories and traces do not actually feel the same. And they aren’t the same. And they aren’t the same. Today, however, on the internet, especially on social networks, it seems to be quite simple. Anyone can broadcast any old crap to the world and by doing so get the feeling they’re leaving a mark. Or imagine it at least, for it is of course an illusion. Eine neue Stufe der BedeutungslosigkeitA new level of insignificanceweiterlesen

Die Rückkehr der Halunken

In meinem ersten Leben war ich Architekt. Wenn man in diesem Beruf, so wie ich zeitweise in Hamburg, auf Baustellen zu tun hat, und dann auch noch in einem Edel-Stadtteil bei Bauvorhaben, die in erster Linie der Geldvermehrung und/oder Steuerabschreibung dienen, muss man sich mit Bauunternehmern, Subunternehmern und ähnlichem Getier herumschlagen. Und dann ist einem der Begriff Halunke nicht fremd. Einer der Gründe für meinen Umstieg in den Medienbereich war, dass ich mit dieser Art von Menschen nichts zu tun haben wollte und will.
Aber natürlich gibt es die auch anderswo. Wenn ich heute meine Social-Media Seminare halte, dann erzähle ich im Rahmen der Einführung, zur Geschichte des Internet, immer gern von der Messe „Internet World“, die ich Anfang dieses Jahrtausends in Berlin besuchte. Das war kurz bevor die Dotcom-Blase platzte, und ich beschreibe dieses Szenario gern mit den Worten: „Ich habe nie vorher, und auch nie danach, so viele Halunken auf einem Haufen erlebt“.

Die Rückkehr der Halunkenweiterlesen

How to start a Shitstörmchen…

Auf Facebook zögere ich oft. Viel häufiger als bei anderen Gelegenheiten, denn eigentlich bin ich kein zögerlicher Mensch. Aber dort ist es angebracht, denn einfach so los schreiben kann fatale Folgen haben. Also lieber erst nachdenken, sprich: zögern. Vermutlich wäre gestern gar nix passiert, denn mein Zögern hätte das verhindert, was ich mit meinem Kommentar auslöste. Ich wusste natürlich schon vorher, was passieren würde, aber ich tat es doch bewusst. Denn an dem Tag hatte ich nachmittags ein Seminar zum Thema Soziale Netzwerke zu halten, und da dachte ich mir: Anschauungsmaterial ist nicht schlecht, da kann ich den Teilnehmern gleich mal zeigen, wie schnell da was losgehen kann. How to start a Shitstörmchen…weiterlesen