Freispruch

nazi01Ein kurzer Bericht von einem Dresdner “Blockiererprozess”*

Gestern war ich wieder mal im Amtsgericht Dresden, als Zeuge. Zum mittlerweile fünften (!) Mal machte ich dort eine Aussage in derselben Sache, nur mit wechselnden Angeklagten, als (einziger) Zeuge der Verteidigung.
Zunächst, für alle Nicht-Dresdner und alle, die es bisher nicht mitbekommen haben, ganz kurz die Vorgeschichte: jedes Jahr um den 13. Februar herum planen Nazis einen sogenannten “Trauermarsch” durch Dresden, denn die Stadt wurde am 13. Februar 1945 durch Bomben weitgehend zerstört. Etliche Jahre wuchs diese alljährliche Aufmarsch der Rechten immer weiter an, da die Bürger beschlossen hatten, ihn durch Ignorieren immer kleiner werden zu lassen. Ab 2009 gab es endlich verstärkte Gegenproteste. Im Jahre 2010, mittlerweile wurde mit mehr als 6000 Teilnehmern der größte Neonazi-Aufmarsch Europas erwartet, beschlossen die Stadtverwaltung und die Polizei, die Elbe als natürliche Trennlinie zwischen Rechten und Gegendemonstranten zu nutzen und entwickelten ihr sogenanntes “Trennungskonzept”. Dass den Nazis dabei als Sammlungspunkt ausgerechnet der Bahnhof Neustadt zugewiesen wurde, der Bahnhof also, von dem die Nazis die Dresdner Juden nach Auschwitz deportiert hatten, bleibt bis heute vollkommen unverständlich. Weiterlesen

Und gleich noch ein Jahrestag in der “Opferstadt”

In den Abendstunden des 2. März 1943, also heute vor genau 70 Jahren, wurde das knapp außerhalb der Stadtgrenze Dresdens gelegene “Judenlager” Hellerberg aufgelöst. Erst wenige Monate zuvor, im November 1942, waren die letzten Judenhäuser in Dresden aufgelöst und deren Bewohnen hierher gezwungen worden. Da das Lager außerhalb der Stadtgrenze lag, galt damit das erklärte Ziel, Dresden “judenrein” zu machen, als erfüllt.
Sämtliche 293 Insassen dieses Lagers, das auf dem der Firma Zeiss Ikon gehörenden Gelände von der Gestapo eingerichtet worden war, wurden als Zwangsarbeiter im nahe gelegenen Rüstungsbetrieb der Zeiss Ikon AG, dem Goehle-Werk, beschäftigt. Weiterlesen

Ein weiterer Jahrestag der “Opferstadt”

Heute vor genau 75 Jahren, am 1. März 1938, zog ein vierstündiger Faschingsumzug durch die Dresdner Straßen. Das Motto: “Auszug der Kinder Israels”. Massen von Menschen bejubelten den Umzug.
Nach den Gewalttaten am 9. November desselben Jahres mussten alle Juden in sogenannte “Judenhäuser” ziehen. Von den 4397 Bürgern jüdischen Glaubens oder “jüdischer Abstammung”, die 1933 in Dresden registriert waren, überlebten nur wenige die Vernichtungslager. Noch 1945 waren 382 Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Dresden untergebracht, wo sie für die Firma Zeiss Ikon Zwangsarbeit leisten mussten. Die Rolle speziell dieser Firma im Dritten Reich bedarf dringend einer Aufarbeitung, die bisher in keiner Weise erfolgte.