Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“

In den Abendstunden des 2. März 1943, also heute vor genau 70 Jahren, wurde das knapp außerhalb der Stadtgrenze Dresdens gelegene „Judenlager“ Hellerberg aufgelöst. Erst wenige Monate zuvor, im November 1942, waren die letzten Judenhäuser in Dresden aufgelöst und deren Bewohnen hierher gezwungen worden. Da das Lager außerhalb der Stadtgrenze lag, galt damit das erklärte Ziel, Dresden „judenrein“ zu machen, als erfüllt.
Sämtliche 293 Insassen dieses Lagers, das auf dem der Firma Zeiss Ikon gehörenden Gelände von der Gestapo eingerichtet worden war, wurden als Zwangsarbeiter im nahe gelegenen Rüstungsbetrieb der Zeiss Ikon AG, dem Goehle-Werk, beschäftigt.

Am 27. Februar 1943 wurde sämtliche Insassen des Lagers verhaftet und im Lager eingesperrt. In den folgenden Tagen kamen weitere Juden aus Erfurt, Halle, Leipzig, Plauen und Chemnitz hinzu. In den Abendstunden des 2. März dann wurde das Lager aufgelöst, alle Insassen wurden vom Bahnhof Neustadt aus nach Auschwitz transportiert, wo bereits am folgenden Tag der größte Teil der etwa 1500 Personen dieses Transportes ermordet wurde.

Das Gelände des ehemaligen Judenlagers Hellerberg an der Radeburger Straße heute

Das Gelände des ehemaligen Judenlagers Hellerberg an der Radeburger Straße heute

Der heutige Zustand des Geländes ist ein Jammer. Lediglich eine Infotafel in einiger Entfernung (an der Bushaltestelle St. Pauli Friedhof) erinnert noch an das Schicksal dieser Menschen. Während in der Stadt ständig darüber nachgedacht wird, wie man der Opfer der Zerstörung am 13. Februar 1945 gedenken kann und allen Ernstes eine Tafel mit den mehr als 20000 Namen aller Opfer dieses Bombenangriffes im Gespräch ist, gedenkt fast niemand, mit Ausnahme der jüdischen Gemeinde und einiger Vereine wie Hatikva e.V. und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V., dieser Opfer. Ausgerechnet die Firma Zeiss Ikon fühlt sich für ein Gedenken an diese ungeheuerlichen Unrechtstaten nicht zuständig.

IMG_3903

Das Gelände des ehemaligen Judenlagers Hellerberg an der Radeburger Straße heute

Die Gedenktafel an der Bushaltestelle, ein Stück entfernt.

Die Gedenktafel an der Bushaltestelle, ein Stück entfernt.

Ein Gedanke zu „Und gleich noch ein Jahrestag in der „Opferstadt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.