… und mehr

Vor einiger Zeit las ich das Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ von Julius Fischer. Dieses Buch hat es kürzlich zu einiger Berühmtheit gebracht. Dem Autor  passierte nämlich das vielleicht Beste, das einem jungen Autor passieren kann: er (besser gesagt: sein Verlag) wurde verklagt. Und zwar von den humorlosen Autoren und Verlegern  der vollkommen überflüssigen „Wanderhuren“-Filme. Und so wurde bundesweit über dieses Buch mit dem wirklich lustigen Titel berichtet, was den Verkaufszahlen nicht abträglich sein dürfte.
Julius Fischer, ein erfolgreicher und gefeierter Poetry-Slammer, erzählt hier in kurzen und teilweise durchaus amüsanten Episoden und angenehm uneitel aus seinem Leben. Besonders die Begegnungen mit seinem Dynamo-Hool-Kumpel sind lustig.
Eine Episode handelt von seinem Friseur, an dessen Laden geschrieben steht: „Frisuren und mehr“. Sinngemäß. Dieser Ausdruck „und mehr“ begegnet einem ja mittlerweile sehr oft – „Brötchen und mehr“, „Schmuck und mehr“, „Globuli und mehr“. In diesem letzten Falle ist das allerdings besonders leicht, weil praktisch alles mehr ist als nichts.
Aber zurück zum Thema: was bedeutet das eigentlich – „und mehr“? Wo kommt dieser Ausdruck her? Das fragt Julius Fischer sich in seinem Buch auch, mehrere Seiten lang.

Ich bin nicht ganz sicher, ob er es tatsächlich nicht weiß und nur so tut als wäre dem so, aber für alle, die es nicht wissen: das ist ein Anglizismus. Ein nicht ganz so offensichtlicher.  Im Englischen gibt es nämlich keine Übersetzung für „Unter Anderem“. Da wird stattdessen einfach an das Ende einer Aufzählung ein Komma, und dahinter „and more“ gestellt. Beispielsweise hieße „this covers green, blue, red, yellow, and more“ übersetzt „das umfasst unter Anderem grün, blau, rot und gelb“. Im Falle des Friseurs bedeutet sein  Motto dann also „Unter Anderem Frisuren“. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass dem Friseur das gar nicht bewusst ist.

Von diesen versteckten Anglizismen gibt es auch noch andere: „Das macht Sinn“ (makes sense) zum Beispiel, oder auch „Ich erinnere den letzen Sommer“ statt „Ich erinnere mich an den letzten Sommer“ (I remember last summer). „Die beste Party jemals“ (the best party ever) ist auch so ein Fall. Die erkennt man nicht so leicht, diese Art von Anglizismen, weil sie eben irgendwie versteckt sind. Aber schlecht klingen sie meistens, und falsches Deutsch sind sie eigentlich immer.
Offensichtlicher sind da schon die (ebenso falsch deutschen) „erfolgreichen“ Anglizismen. Flyer beispielsweise (engl.: leaflet) oder Handy (engl: mobile phone, amerik.: cell phone). Das ist so erfolgreich, dass es zurückstrahlt in den englischen Sprachraum, wo man mittlerweile schon weiß, was ein „Handy“ ist und diesen Ausdruck teilweise sogar für Mobiltelefone benutzt. Es gibt also nicht nur etliche deutsche Wörter (Kindergarten, Angst etc.) im englischen Sprachraum, sondern auch „denglische“ Begriffe werden dort benutzt.

Natürlich gibt es auch noch die richtig schlechten Anglizismen. Die oft verspotteten „Bodybag“ (übersetzt: Leichensack) oder Public Viewing (übersetzt: Leichenschau) ebenso wie BackShop (Zurückladen) oder Kaffee To Go (unübersetzbar). Im Geibeltbad, einem Schwimm-und Wellnesskomplex in Pirna nahe Dresden, kann man Geld sparen mit einer sogenannten „BadCard“ (Schlechtkarte).
Ich habe nichts gegen eine sich weiterentwickelnde Sprache. Was wäre das Deutsche ohne die Garage, das Portemonnaie (ja, Kinder, so wurde das früher mal geschrieben), das Internet, das T-Shirt oder den Download. Obwohl letzteres, wie der Grüne Abgeordnete Miro Jennerjahn im Sächsischen Landtag sehr schön darlegte, eigentlich gar kein englisches Wort ist, sondern vielmehr aus dem Ur-Sächsischen, aus dem Germanischen  also, stammt (im Video ab Minute 4:07).

Trotzdem hoffe ich sehr, dass die beiden versteckten Anglizismen, die mir jetzt so spontan in den Sinn kommen, es nicht in den deutschen Sprachraum schaffen: „Machte meinen Tag“ (made my day) und „Was der Fick“ (what the fuck)…

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