Wo der Kreis sich schließt?

prim1Zum Beispiel bei Primark. Eigentlich ein Laden, in den ich nie im Leben einen Fuß setzen würde. Es jetzt aber doch getan habe, sogar gleich mehrfach. Und wahrscheinlich werde ich es sogar wieder tun (müssen).
Im November eröffnete die irische Kleidungskette in Dresden ihre erste Niederlassung in Ostdeutschland, in der Centrum Galerie. Es gab ein paar Proteste, der erwartete Kundenansturm zur Eröffnung bleib aus. Auch heute fällt auf, dass es da nie wirklich voll ist, nur an der Kasse bilden sich manchmal Schlangen, das ist allerdings eher ein logistisches Problem des Managements. Es fällt noch etwas auf (neben den Waren natürlich, die zu absurd niedrigen Preisen verkauft werden, was ja das eigentliche Problem ist), wenn man sich in dem Laden in der Dresdner Innenstadt bewegt: es kaufen dort sehr viele postmigrantische Menschen.

Aber warum gehe ich da denn nun hin und kaufe sogar Jeans made in Bangladesh (!) für 3 (!!) Euro? Weil es für geflüchtete Menschen, ebenso wie für andere Verlierer unseres Systems wie Langzeitarbeitslose, Niedriglohnbeschäftigte und Rentner, kaum eine andere Möglichkeit gibt, sich mit für sie bezahlbarer Kleidung zu versorgen. Das System, welches sie an den Rand drängt und in Not bringt, zwingt sie dazu, eben dieses System zu reproduzieren, welches wiederum global andere an den Rand gedrängte Menschen zwingt, in unwürdigen Verhältnissen und zu unmenschlichen Löhnen zu arbeiten.

prim2Ich gehe nun ab und zu (mit wirklich schlechtem Gewissen) dort einkaufen, mit Kindern von Geflüchteten, um ihnen, die leider nicht alles über Kleiderspenden bekommen, auch mal etwas halbwegs Ansehnliches zu kaufen oder es ihnen zu ermöglichen, ihrer Mutter oder ihren Geschwistern etwas zu Weihnachten oder zum Geburtstag zu schenken, das sie sich leisten können.
Und so schließt sich dann in gewisser Weise tatsächlich ein Kreis, wenn ich einem 10jährigen Mädchen aus Afghanistan, das mit seiner Familie vor Terror und Elend geflohen ist, bei Primark für 7 Euro eine Jeans kaufe, welche ein 10jähriges Mädchen in Bangladesh, das keine Möglichkeit hat, aus dem Elend zu fliehen, für ein paar Cent zusammennähen musste.

So geht Kapitalismus! Ein unmenschliches System, welches mit aller Macht bekämpft werden muss, das wir mit unserer Art zu leben jeden Tag unterstützen und in dem wir Täter und Opfer zugleich sind.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>